USA – Klinik streicht Ungeimpften von Transplantationsliste
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USAKlinik streicht Ungeimpften von Transplantationsliste

Ein Krankenhaus in Boston hat einen Patienten für eine Herztransplantation abgelehnt – auch weil er nicht gegen Covid-19 geimpft ist.

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In Boston verweigerte ein Krankenhaus einer ungeimpften Person die Organtransplantation. (Symbolbild)

In Boston verweigerte ein Krankenhaus einer ungeimpften Person die Organtransplantation. (Symbolbild)

imago images/ZUMA Wire
Da der Mann aufgrund seines Impfstatus nach einer Transplantation schlechtere Überlebenschancen hätte, haben andere Patienten und Patientinnen Vorrang.

Da der Mann aufgrund seines Impfstatus nach einer Transplantation schlechtere Überlebenschancen hätte, haben andere Patienten und Patientinnen Vorrang.

AFP
Besonders mit dem geschwächten Immunsystem nach einer Organtransplantation kann eine Covid-19-Infektion gefährlich werden.

Besonders mit dem geschwächten Immunsystem nach einer Organtransplantation kann eine Covid-19-Infektion gefährlich werden.

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«Die Covid-Impfung widerspricht den Grundprinzipien meines Sohnes – er glaubt nicht daran», sagt der Vater des Herzpatienten DJ Ferguson. Das Brigham and Women’s Hospital in Boston hat ihn von seiner Transplantationsliste gestrichen.

Auf Anfrage der BBC teilte das Krankenhaus mit: «Angesichts des Mangels an verfügbaren Organen tun wir alles, was wir können, um sicherzustellen, dass ein Patient, der ein transplantiertes Organ erhält, die größten Überlebenschancen hat.» Und ein Sprecher gab weiter an, das Krankenhaus setze «die Covid-19-Impfung und ein verantwortungsvolles Verhalten des Transplantationskandidaten voraus, um sowohl die besten Chancen für eine erfolgreiche Operation zu schaffen als auch das Überleben des Patienten nach der Transplantation zu optimieren, da das Immunsystem dann drastisch unterdrückt ist».

Mehr als 100.000 Personen auf Warteliste für Organtransplantation

Die sorgfältige Begründung der Streichung Fergusons von der Transplantationsliste lässt durchblicken, dass neben dem Impfstatus des Patienten noch andere Faktoren für seine Ablehnung verantwortlich sind – jedoch weigerte sich das Krankenhaus unter Hinweis auf die Privatsphäre der Patienten, Einzelheiten zu nennen. Und die Liste, von der Ferguson gestrichen wurde, ist umkämpft: die meisten der 100.000 Menschen auf den Wartelisten für Organtransplantationen werden aufgrund des Organmangels innerhalb von fünf Jahren kein Organ erhalten, wie das Krankenhaus anfügte.

Auf GoFundMe sammelte Ferguson Spendengelder für die Behandlung seiner erblichen Herzprobleme. Der Organisator der Spendenaktion sagte, Ferguson sei besorgt, dass er eine Herzentzündung erleiden könnte – eine mögliche Nebenwirkung der Coronavirus-Impfung, die nach Angaben der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) selten und vorübergehend ist – und dass dies angesichts der Schwäche seines Herzens gefährlich werden könnte.

«Verteilen Organe nicht an die, die schlechte Überlebenschancen haben»

Derweil rät die CDC Transplantatempfängern und -empfängerinnen sowie ihren Angehörigen, sich vollständig impfen und boostern zu lassen. Dr. Arthur Caplan, Leiter der Abteilung für medizinische Ethik an der NYU Großman School of Medicine, erklärte gegenüber CBS News, dass das Immunsystem eines Patienten nach einer Organtransplantation so gut wie ausgeschaltet ist und selbst eine Erkältung tödlich sein kann. »Die Organe sind knapp, wir werden sie nicht an jemanden verteilen, der schlechte Überlebenschancen hat, wenn andere, die geimpft sind, nach der Operation bessere Überlebenschancen haben», erklärt Dr. Caplan die Situation.

Der zweifache Familienvater, der ein drittes Kind erwartet, bleibt nach Angaben seiner Angehörigen im Krankenhaus. Seine Familie erklärte, er sei zu schwach, um in ein anderes Krankenhaus verlegt zu werden und ihm laufe «die Zeit davon». «Mein Junge kämpft verdammt mutig und er hat Integrität und Prinzipien, an die er wirklich glaubt, und darum respektiere ich ihn umso mehr», sagt der Vater des Herzpatienten.

Impfstatus sorgt immer wieder für Probleme

Es ist nicht das erste Mal, dass ein ungeimpfter Amerikaner oder eine ungeimpfte Amerikanerin in den letzten Wochen mit Hindernissen im Gesundheitswesen konfrontiert wurde. Anfang dieses Monats verklagte eine Frau aus Minnesota ihr örtliches Krankenhaus, nachdem die Ärzte und Ärztinnen versucht hatten, ihren ungeimpften Ehemann vom Beatmungsgerät zu nehmen, an dem er seit zwei Monaten hing.

Etwas mehr als 63 Prozent der US-Bevölkerung sind doppelt geimpft und etwa 40 % der Amerikaner und Amerikanerinnen haben eine Boosterimpfung erhalten.

(L'essentiel/Reto Bollmann)

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