Ukraine-Russland Konflikt – Klitschko geht mit Deutschland hart ins Gericht
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Ukraine-Russland KonfliktKlitschko geht mit Deutschland hart ins Gericht

Dass Deutschland keine Waffen in die Ukraine liefern will und an der russischen Pipeline Nordstream 2 festhalte, ist für den Bürgermeister von Kiew «ein Schlag ins Gesicht.»

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Vitali Klitschko, Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, ist von Deutschlands politischer Strategie im Ukraine-Russland-Konflikt enttäuscht.

Vitali Klitschko, Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, ist von Deutschlands politischer Strategie im Ukraine-Russland-Konflikt enttäuscht.

REUTERS
Im sich anhaltenden Konflikt mit der Ukraine hätte sich der ehemalige Profiboxer mehr Unterstützung von Deutschland erhofft.

Im sich anhaltenden Konflikt mit der Ukraine hätte sich der ehemalige Profiboxer mehr Unterstützung von Deutschland erhofft.

AFP
Russland bestreitet, eine Invasion der Ukraine vorzubereiten (im Satellitenbild: russische Militärfahrzeuge in Yelnya, unweit der ukrainischen Grenze).

Russland bestreitet, eine Invasion der Ukraine vorzubereiten (im Satellitenbild: russische Militärfahrzeuge in Yelnya, unweit der ukrainischen Grenze).

via REUTERS

Angesichts der Sorgen vor einem russischen Angriff auf die Ukraine erwartet der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, Unterstützung auch von der Bundesregierung. Deutschland zögere aber – nach seiner Ansicht aus Angst, Putin weiter zu provozieren. In einem Interview mit der Zeitung «Bild» kritisiert der ehemalige Box-Weltmeister nun die deutsche Regierung im Umgang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt scharf.

Keine Waffenlieferungen seien ein «Verrat»

Es sei «ein Schlag ins Gesicht» für die Ukraine, dass Deutschland keine Verteidigungswaffen liefern wolle. Mehr noch, gleichzeitig würde Deutschland auch noch Staaten wie Estland davon abhalten, Waffen zu liefern. «Das ist unterlassene Hilfeleistung und Verrat an Freunden in einer dramatischen Situation, in der unser Land von mehreren Grenzen von russischen Truppen bedroht wird!», sagt Klitschko gegenüber «Bild».

Deutschland setze auf den falschen Energielieferanten

Auch, dass Deutschland an der Gaspipeline Nord Stream 2 festhalten wolle, kann Klitschko nicht verstehen. Auch der Chef des ukrainischen Pipeline-Betreibers Gas TSO hat die Deutschen im Fall einer Inbetriebnahme von Nord Stream 2 vor steigenden Gaspreisen gewarnt. «Deutschlands größter Fehler ist, das ukrainische Pipelinesystem für selbstverständlich zu halten», sagte Sergiy Makogon der Zeitung «Die Welt».

Sobald Nord Stream 2 in Betrieb sei, werde das ukrainische Netz nicht mehr gebraucht. Der russische Energiekonzern «Gazprom wird jeden Zugang kontrollieren, und dann werden die Preise steigen, auch für Deutschland.»

Zudem betrachtete Klitschko die Entscheidungsträger in Deutschland grundsätzlich als zu «Putin-freundlich» und befürchtet zudem, dass sich die Milliarden, die Russland in Deutschland investiert haben soll, um deutsche Konzerne, Ex-Politiker und Lobbyisten zu kaufen, ausgezahlt hätten.

(L'essentiel/Philippe Coradi)

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