Geschmacklose Transparente – Köln-Fans beleidigen Hoffenheim-Milliardär übel

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Geschmacklose TransparenteKöln-Fans beleidigen Hoffenheim-Milliardär übel

Die Anfeindungen gegen Mäzen Dietmar Hopp nehmen kein Ende. Die Kölner Fans tun sich in dieser leidigen Geschichte besonders negativ hervor.

Sie gefallen sich in ihrer Rolle. Sie stimmen Schmähgesänge auf ihn an, sie beschimpfen, sie provozieren ihn, sie bringen Banner und Plakate mit ins Stadion, die nur eines sind: geschmacklos. Im Zentrum ihrer Anfeindungen steht Dietmar Hopp, Milliardär, vor allem aber Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim. Seit bald zehn Jahren ist er Ziel regelmäßiger Hassattacken.

Der jüngste Angriff geht auf das Konto der Kölner Südkurve. Beim 0:3 am Sonntag gegen Hoffenheim hielten Fans ein Transparent in die Luft, das den 77-Jährigen – in Anlehnung an den weltbekannten Sketch «Dinner for One» – beim Geschlechtsverkehr mit Butler James zeigt. Auf einem anderen Plakat wurde Hopp als rauchende Prostituierte dargestellt, die eine Geburtsurkunde in der Hand hält, auf der steht: «Mutter: Hure. Vater: Nazi.» Letzteres hatten die Kölner Ultras im April schon einmal ausgepackt, worauf Hopp Anzeige erstattete und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Club mit einer Geldstrafe in Höhe von 35.000 Euro belegte.

Köln-Präsident will sich entschuldigen

TSG-Geschäftsführer Hansi Flick nannte die Plakate «einfach widerlich» und erklärte: «Wir akzeptieren keine Kölner Entschuldigungen mehr. In Köln gibt es bei den Vereinsoberen seit Jahren nur Achselzucken und Entschuldigungen.» FC-Präsident Werner Spinner, der sich ob des Verhaltens der eigenen Anhänger «zutiefst erschüttert» zeigte, entgegnete: «Die Aussage von Herrn Flick nehme ich zur Kenntnis. Meine Erziehung und meine Werte sagen mir, dass ich mich dennoch bei Herrn Hopp entschuldige.»

Eine persönliche Entschuldigung wird nichts daran ändern, dass Hopp erneut juristisch gegen die Anfeindungen vorgeht. Das tat er auch, nachdem ihn der Gästeblock aus Mönchengladbach vor einer Woche auf einem Transparent als «Fußballmörder» tituliert hatte, und er tat es wieder, nachdem ihn die Kölner Südkurve beleidigt hatte. «Wenn in Zukunft solche Plakate in den Kurven hängen, darf das Spiel nicht mehr angepfiffen werden – egal ob das Beschimpfungen gegen Dietmar Hopp, gegen Hannover-Präsident Kind, gegen Schiedsrichter, gegen Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick oder den DFB sind», sagte sein Anwalt Christoph Schickhardt der «Bild».

Vielleicht würden solch drastische Maßnahmen die Fehlbaren endlich zur Räson bringen. Aber eben nur vielleicht. Dass sie mit ihrem Verhalten nicht zuletzt auch dem eigenen Club schaden, hätten sie schließlich schon längst merken sollen. Möglicherweise ist es ihnen aber schlichtweg egal.

Er will doch nur Gutes tun

Seit die TSG 1899 Hoffenheim 2008 in die erste Bundesliga aufstieg, muss sich Hopp in fremden Stadien einiges anhören. Im September vor neun Jahren, nach nur drei Spielen in der höchsten Liga, sagte er zu den ständigen Diffamierungen: «Bevor ich ein blaues Auge riskiere, spare ich mir solche Fahrten.» Auswärtsspiele besucht er längst nicht mehr.

Der Mitgründer des Softwarekonzerns SAP, einer der reichsten Deutschen, ist den Anhängern der Traditionsclubs ein Dorn im Auge, weil er die Kraichgauer mit Beträgen im dreistelligen Millionenbereich zu einer Topadresse im deutschen Fußball geformt hat. Wobei er in erster Linie in die Infrastruktur investierte und nicht einfach Star um Star finanzierte. Sein Antrieb: «Ich will der Region etwas zurückgeben.»

Dass Hopp hehre Absichten verfolgt, interessiert die gegnerischen Fans nicht. Wer Abermillionen in einen Verein pumpt, der schadet ihrer Meinung nach dem Fußball, und sei es ein Einheimischer, der den Sport liebt und Gutes tun will. Aber vielleicht ist es von Menschen, die ihre verunglimpfenden Plakate voller Stolz präsentieren, ohnehin zu viel verlangt, wenigstens ein bisschen zu differenzieren.

(L'essentiel)

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