Ungeklärter Mordfall – Kommt jetzt die Wahrheit über Kennedy ans Licht?

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Ungeklärter MordfallKommt jetzt die Wahrheit über Kennedy ans Licht?

Die Spannung steigt: Geheime Dokumente über die Ermordung John F. Kennedys könnten bald öffentlich zugänglich werden. Jetzt liegt es an Donald Trump.

Bald könnte die Öffentlichkeit neue Erkenntnisse über den Mord an John F. Kennedy gewinnen. Historiker, Experten und Hobbydetektive blicken gespannt in Richtung Washington, wo nur noch US-Präsident Donald Trump die Veröffentlichung jener Akten, die möglicherweise mehr Licht in die Tragödie bringen und einige Verschwörungstheorien um JFK ausräumen können, noch verhindern kann. Das Nationalarchiv muss bis zum 26. Oktober die Akten zur Ermordung Kennedys freigeben, wenn Trump nicht interveniert. Das Weiße Haus reagierte nicht auf Anfragen zu dem Thema.

Neue Einblicke in Reiseweg des Mörders

«Die amerikanische Öffentlichkeit verdient es, die Fakten zu kennen, oder zumindest zu wissen, was die Regierung über all die Jahre verborgen gehalten hat», sagt Larry Sabato, Direktor des Zentrums für Politik an der Universität von Virginia und Autor eines Buches über Kennedy. «Dass diese Informationen ans Licht kommen, ist schon lange überfällig.» Sabato und andere JFK-Experten glauben, dass die Daten neue Erkenntnisse über die Reise des Kennedy-Mörders Lee Harvey Oswald nach Mexiko-Stadt liefern könnten. Bei seinem Trip einige Wochen vor der Tat hatte er die Botschaften Kubas und der Sowjetunion besucht.

Bisher war man davon ausgegangen, dass Oswald Visa für die beiden Länder wollte. Zu diesem Schluss kam zumindest die Warren-Kommission, die von Präsident Lyndon B. Johnson zur Untersuchung eingesetzt wurde. Doch vieles über die Reise ist bis heute unklar. Zudem erhoffen sich Kennedy-Experten Einblick in den vollständigen Bericht des Komitees im Repräsentantenhaus, das den Mord untersucht, wie Rex Bradford, Präsident der Mary Ferrell Foundation, sagt, eine Stiftung, die Akten zu Mordfällen veröffentlicht.

«Es könnten Juwelen darunter sein»

Nach Einschätzung des Richters John Tunheim ist es unwahrscheinlich, dass die Dokumente große Enthüllungen über die Ermordung Kennedys enthalten. Tunheim war Vorsitzender eines unabhängigen Ausschusses in den 90er-Jahren, der einerseits zahlreiche Mordakten zum Fall veröffentlicht hat und anderseits entschieden hat, wie lange andere Dokumente noch geheim bleiben.

Tunheim verweist darauf, dass sein Ausschuss damals nur Daten komplett zurückgehalten habe, die man nicht für relevant gehalten habe. Aber er schließt nicht aus, dass es die eine oder andere Information gibt, bei der man vor zwei Jahrzehnten nicht erkannt hat, dass sie wichtig ist. «Es könnten sich schon ein paar Juwelen darunter befinden, weil unser Wissensstand in den 90ern vielleicht anders war als heute», sagt Tunheim.

Mörder von Nachrichtenartikel inspiriert?

Schon im Juli hatte das Nationalarchiv mehr als 440 bislang komplett unveröffentlichte Dokumente ins Internet gestellt, dazu Tausende weitere, die bis dahin nur mit Schwärzungen einzusehen waren. Unter diesen Dokumenten war auch ein internes CIA-Memo, in dem die Frage aufgeworfen wurde, ob Oswald zu dem Mord von einem Artikel der Nachrichtenagentur AP inspiriert wurde. Darin wurde der kubanische Staatschef Fidel Castro zitiert, wonach «US-Spitzenvertreter in Gefahr sind, wenn sie jeglichen Versuch unterstützen, kubanische Führer aus dem Weg zu räumen».

«Oswald hätte dann ein klares Motiv, eines, das wir nie wirklich für die Ermordung Kennedys verstanden haben», sagt Philip Shenon, ehemaliger Reporter der «New York Times», der ein Buch über den Kennedy-Mord geschrieben hat. «Er dachte, mit der Ermordung Kennedys würde er das Leben Fidel Castros retten.»

«Es wird weiter Verschwörungstheorien geben»

Einige der Akten werden jedoch weiter unter Verschluss bleiben, wie Experten vermuten. So gilt es nach Einschätzung von Bradford als unwahrscheinlich, dass das Nationalarchiv die Akten zu Steuerermäßigungen für Jack Ruby offenlegen wird, jenen Mann, der Oswald ermordete. Sabato vermutet zudem, dass einige Schlüsselakten bereits vor 1992 zerstört wurden, als deren Einlagerung im Nationalarchiv beschlossen wurde.

Und selbst wenn alle Dokumente veröffentlicht werden, wird das voraussichtlich nicht alle Verschwörungstheorien um den Tod des jungen Präsidenten beseitigen. «Menschen werden wahrscheinlich weiterhin glauben, dass es eine Verschwörung gab», sagt Tunheim. «Aber ich glaube nicht, dass besonders die Regierung effizient genug ist, ein solches Geheimnis so lange verborgen zu halten.»

(L'essentiel/dapd)

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