Schweden: Koran-Verbrennung in Stockholm – Türkei reagiert zornig

Publiziert

SchwedenKoran-Verbrennung in Stockholm – Türkei reagiert zornig

Eine Demonstration von Rechtsextremisten vor der türkischen Botschaft in Stockholm hat Empörung in der islamischen Welt ausgelöst und die Spannungen zwischen Schweden und der Türkei verstärkt. 

1 / 10
Am Samstag demonstrierten Rechtsextremisten vor der türkischen Botschaft in Stockholm. 

Am Samstag demonstrierten Rechtsextremisten vor der türkischen Botschaft in Stockholm. 

AFP
Zudem beteiligten sich am selben Tag in Stockholm mehrere Hundert Menschen an einer von kurdischen Aktivisten organisierten Demonstration. In Istanbul wiederum verbrannten Protestierende vor dem schwedischen Konsulat eine Fahne Schwedens.

Zudem beteiligten sich am selben Tag in Stockholm mehrere Hundert Menschen an einer von kurdischen Aktivisten organisierten Demonstration. In Istanbul wiederum verbrannten Protestierende vor dem schwedischen Konsulat eine Fahne Schwedens.

AFP
Die Demo wurde von Rasmus Paludan organisiert. 

Die Demo wurde von Rasmus Paludan organisiert. 

IMAGO/ZUMA Wire

Der Staatenbund Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) verurteilte am Samstag die «provokative Aktion», welche die «heiligen Werte» der Muslime verletze. Weil die schwedischen Behörden die Versammlung genehmigt hatten, sagte die Türkei einen Besuch des schwedischen Verteidigungsministers ab. 

Die Beziehungen zwischen Schweden und Ankara sind ohnehin durch den Streit um den schwedischen Antrag auf Beitritt zur Nato stark angespannt. Die Türkei und Ungarn sind die einzigen der 30 Nato-Staaten, die bislang nicht den Weg für die Mitgliedschaft Schwedens in dem Militärbündnis freigemacht haben. Pal Jonson hatte bei seinem ursprünglich für den 27. Januar geplanten Besuch in der Türkei für den Nato-Beitritt seines Landes werben wollen. 

«Ermutigung zu Hassverbrechen»

Die Genehmigung der schwedischen Behörden für die von dem rechtsextremistischen Provokateur Rasmus Paludan organisierte Versammlung löste aber Zorn bei der Regierung in Ankara aus. Der Sprecher des türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, die Demonstration trotz «all unserer Warnungen» zu erlauben, entspreche einer «Ermutigung zu Hassverbrechen und Islamophobie».

Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson solidarisierte sich am Tag nach der Koran-Verbrennung mit den Muslimen und schrieb bei Twitter: «Ich möchte allen Muslimen meine Sympathie ausdrücken, die davon verletzt sind, was in Stockholm passiert ist.» Bücher zu verbrennen, die heilig sind, sei eine zutiefst respektlose Aktion, erklärte er. 

Einstündige Tirade gegen den Islam und Migranten

Die rechtsextreme Demonstration bei der türkischen Botschaft hatte am Samstag unter großem Polizeischutz stattgefunden, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Rund hundert Menschen waren anwesend – darunter allerdings auch zahlreiche Medienvertreter. Paludan hielt eine knapp einstündige Tirade gegen den Islam und Migranten und zündete danach eine Ausgabe des Korans mit einem Feuerzeug an.

Auf der anderen Seite der türkischen Botschaft fand unterdessen eine kleine pro-türkische Demonstration statt. Zudem beteiligten sich am selben Tag in Stockholm mehrere Hundert Menschen an einer von kurdischen Aktivisten organisierten Demonstration. In Istanbul wiederum verbrannten Protestierende vor dem schwedischen Konsulat eine Fahne Schwedens, wie ein AFP-Journalist beobachtete.

Bereits am Freitag hatte die Türkei wegen Paludans angekündigter Koran-Verbrennung den schwedischen Botschafter in Ankara einbestellt und die «provokative Aktion» als «Hassverbrechen» verurteilt. Es war die zweite Einberufung des schwedischen Botschafters innerhalb weniger Tage. Zuvor hatte die türkische Regierung diesen Schritt ergriffen, nachdem ein Video aus Schweden mit einer kopfüber hängenden Puppe Erdogans veröffentlicht worden war. Zu der Aktion hatten sich kurdische Aktivisten bekannt. 

(AFP/jar)

Deine Meinung

0 Kommentare