Luxemburg: Kostenloser Musikunterricht ist «mehr als ein Symbol»
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LuxemburgKostenloser Musikunterricht ist «mehr als ein Symbol»

DIFFERDINGEN – Ab dem kommenden Schuljahr wird der Unterricht für Kinder und Jugendliche in den Musikschulen der Gemeinden kostenlos sein. In Differdingen führt diese Maßnahme zu großer Freude, wirft aber auch Fragen auf.

von
Nicolas Martin
Wie Emilie und Ysée besuchen 18.000 Schülerinnen und Schüler die Musikschulen.

Wie Emilie und Ysée besuchen 18.000 Schülerinnen und Schüler die Musikschulen.

Vincent Lescaut

Ob Geige, Bassgitarre oder Mandoline: Die Musikschule in Differdingen glich gestern Nachmittag einem Ameisenhaufen. Dutzende Jugendliche gingen samt ihrer Instrumente in den Unterrichtsräumen ein und aus – genug, um ein Symphonieorchester zu gründen. In der kommunalen Musikschule mit 830 Schülern wurde die Ankündigung über den künftig kostenlosen Musikunterricht mit großer Freude aufgenommen. «Es ist wichtig, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, Musik zu machen. Luxemburg ist das erste Land, das diese außergewöhnliche Maßnahme einführt», erzählt die Mandolinenlehrerin von Emilie und Ysée, Marie Fe Pavon.

Cassandra, die seit fünf Jahren Querflöte und Geige spielt, pflichtet ihr bei: «Das ist mehr als nur ein Symbol. Die Schüler können Verschiedenes ausprobieren, ohne etwas zu verlieren». Laut dem Schulleiter Rudi De Bouw werden etwa «85 Prozent der Schüler von den kostenlosen Kursen profitieren». Außerdem soll die für Erwachsenen festgelegte Obergrenze von 100 Euro pro Jahr zusätzlich die nicht selten großen Preisunterschiede zwischen den Gemeinden ausgleichen. «Oft gibt es in den regionalen Schulen unterschiedliche Tarife für Einwohner und Nicht-Einwohner», berichtet Pol Belardi, Koordinator der Abteilung für moderne Musik.

«Eine Investition in sich selbst»

Der kostenlose Zugang wirft jedoch auch Fragen auf. «Wir können die Kapazitäten nicht übersteigen. In meiner Schule kann ich nicht mehr Schüler aufnehmen, auch wenn die Kostenfreiheit für solche Kurse besteht», stellt Rudi De Bouw fest. Es soll bereits Wartelisten für bestimmte Instrumente geben.

Eine weitere Befürchtung der Lehrer ist, dass diese Maßnahme dazu führen könnte, dass einige diese Verpflichtung auf die leichte Schulter nehmen. «Wenn es zu viele Schüler gibt, muss man auswählen. Es besteht das Risiko, dass einige die kostenlosen Kurse nicht ernst nehmen», betonte Marie Fe Pavon. «Man wird nicht Musiker, indem man sich drei Videos anschaut und zwei Kurse besucht. Es ist eine Investition in sich selbst, die mit einer strengen Verpflichtung einher geht», fügt Pol Belardi hinzu.

Ein Abbruch nach einigen Monaten stellt den staatlichen Ausgleich in Frage und könnte die Gemeinden teuer zu stehen kommen. Aus diesem Grund erfolgt eine Zulassung für diese Kurse in Differdinger Schule erst nach einem persönlichen Gespräch statt. Und wenn der Preis eines Instruments das eigentliche Hindernis für den Zugang zur Musik wäre? Nicht für Cassandra. Sie berichtet, dass sie ihre Querflöte zu einem guten Preis gekauft hat. «Das hängt stark vom Instrument ab», bestätigt Pol Belardi. Viele Schulen bemühen sich, Instrumente zu günstigen Preisen zur Verfügung zu stellen. Und im Vergleich sind Musikinstrumente heute viel erschwinglichen als noch vor 50 Jahren.

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