Zwiespältiger Boom – Kreuzfahrten setzen Hafenstädten zu

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Zwiespältiger BoomKreuzfahrten setzen Hafenstädten zu

Weltweit reisen immer mehr Passagiere auf den schwimmenden Hotels. Es wird eng in den Städten, die die Ozeanriesen ansteuern. Und der Unmut wächst.

Viel Platz bleibt nicht, wenn die Ozeanriesen durch die Lagunenstadt Venedig dampfen.

Viel Platz bleibt nicht, wenn die Ozeanriesen durch die Lagunenstadt Venedig dampfen.

Allein in Europa unternahmen im vergangenen Jahr 6,7 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt, das sind 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Und das Wachstum geht weiter, da sind sich alle Experten einig. In Dubrovnik kamen Anfang Juni an einem einzigen Tag 9000 Touristen mit Kreuzfahrtschiffen an, obwohl die kleine Altstadt nach Berechnungen von Fachleuten nur 7000 am Tag vertragen kann. Neben Dubrovnik erstickt auch die montenegrinische Altstadt von Kotor in der gleichnamigen Bucht aufgrund des Ansturms von Kreuzfahrtreisenden.

Kritik der Bevölkerung wächst

Nirgends ist der Protest gegen die Meeresriesen so groß wie in Venedig. Die Lagunenstadt lebt vom Tourismus – und leidet unter den Menschen. Viele der umstrittenen Tagestouristen werden von den Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt, die noch immer mitten in die Stadt hineinfahren dürfen, obwohl dies das Ökosystem erheblich gefährdet.

Die UN-Kulturorganisation hat längst ein Verbot für die riesigen Schiffe vor allem im San-Marco-Becken gefordert. Die Wellenbewegungen sowie der Dreck, der aus den Schornsteinen gepustet wird, schadeten dem Weltkulturerbe. Am 18. Juni unterstützten mehr als 18.000 Menschen fast einhellig in einem Volksbegehren diese Forderungen. Ob sich die Politiker in Rom davon überzeugen lassen, ist unklar.

Auch auf Malta herrscht Unmut über die Kolosse, die im Hafen der Hauptstadt Valletta einlaufen und Menschenmassen ins Zentrum befördern. Es ist eine der Folgen des Touristenbooms, den der Inselstaat im Mittelmeer derzeit erlebt – auch, weil Urlauber aufgrund der politischen Instabilität traditionelle Reiseländer wie Tunesien, Ägypten oder die Türkei meiden.

Umweltschäden befürchtet

In Spanien wächst von Jahr zu Jahr die Zahl der Kreuzfahrtschiffe. 2016 wurde die Rekordzahl von 3918 Schiffen registriert – 61 mehr als im Vorjahr. Aus den Meeresriesen strömten insgesamt 8,5 Millionen Menschen in die spanischen Städte. Beliebtestes Ziel war Barcelona mit knapp 2,7 Millionen Kreuzfahrt-Touristen. Das waren fast sechs Prozent mehr als 2015 – in einer Stadt, die ohnehin ein beliebtes touristisches Ziel ist.

Entsprechend rapide wächst auch der Ärger der Gegner, die in erster Linie vor irreparablen Umweltschäden warnen, aber auch eine Beeinträchtigung des Charakters der Innenstädte und der Lebensumstände der Einheimischen beklagen. Für diesen Sommer sind erneut Protestkundgebungen gegen die Tagestouristen vorgesehen.

Die linke Bürgermeisterin Ada Colau, die bereits einen Hotelbaustopp verhängt hat und auch gegen die illegale Vermittlung von privaten Ferienwohnungen vorgeht, erwägt eine strengere Regulierung des Kreuzfahrttourismus.

Eine Lösung für die Probleme in den Top-Häfen ist einstweilen nicht in Sicht. Die Reedereien müssten sich besser koordinieren, wird gefordert. Doch die Routenpläne werden Jahre im Voraus entworfen. Die Reedereien äußern sich nicht dazu. Am Ende könnte nicht nur in Barcelona eine striktere Regulierung der Kreuzfahrtschifffahrt stehen – und manch attraktiver Zielhafen seltener in den Fahrplänen auftauchen.

(L'essentiel/sei/sda)

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