Flüchtlingskrise – Kroatien schließt mehrere Grenzübergänge
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FlüchtlingskriseKroatien schließt mehrere Grenzübergänge

Seit Ungarn seine Grenzen zu Serbien geschlossen hatte, versuchen Flüchtlinge über Kroatien nach Norden zu gelangen. Nun schließt auch Zagreb sieben von acht Grenzübergänge.

epa04935715 Migrants look out of a window of a train heading to the border with Serbia, near the town of Gevgelija, The Former Yugoslav Republic of Macedonia, 17 September 2015. Thousands of migrants continue to arrive in Macedonia, on their way to Serbia, Croatia and EU countries. Hungary on 15 September sealed the last gap in the barricade along its border with Serbia, closing the passage to thousands of refugees and migrants still waiting on the other side. EPA/NAKE BATEV +++(c) dpa - Bildfunk+++

epa04935715 Migrants look out of a window of a train heading to the border with Serbia, near the town of Gevgelija, The Former Yugoslav Republic of Macedonia, 17 September 2015. Thousands of migrants continue to arrive in Macedonia, on their way to Serbia, Croatia and EU countries. Hungary on 15 September sealed the last gap in the barricade along its border with Serbia, closing the passage to thousands of refugees and migrants still waiting on the other side. EPA/NAKE BATEV +++(c) dpa - Bildfunk+++

DPA/Nake Batev

Sackgasse Südeuropa? Auf ihren Transitrouten bleiben viele Flüchtlineg stecken. Kroatien fühlt sich überfordert und denkt ebenfalls über Grenzschließungen nach, Slowenien schickt Neuankömmlinge kurzerhand nach Kroatien zurück.

Zagreb versetzt Armee in Alarmbereitschaft

Nach Tumulten an den Grenzen mit vielen verletzten Flüchtlingen zieht Kroatien die Reissleine: Die Regierung versetzte die Armee in Alarmbereitschaft - und schloss sieben seiner acht Grenzübergänge zu Serbien. Auf der Suche nach Alternativrouten in die EU kamen bis Donnerstagabend, kurz vor der Schließung, binnen 48 Stunden 9200 Menschen nach Kroatien. Eine Durchreise über Slowenien bleibt ihnen allerdings verwehrt: Die Menschen würden wieder nach Kroatien zurückgeschickt, berichtete die amtliche slowenische Nachrichtenagentur STA.

Am Dienstag machte Ungarn mit einem Stacheldrahtzaun die Grenze zu Serbien dicht, tags darauf hinderte die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern Flüchtlinge am Durchkommen. Daher nahmen viele Asylsuchende den Umweg über Kroatien in Kauf. Das Land liegt etwas abseits der sogenannten Balkanroute, über die Flüchtlinge von der Türkei über Griechenland, Mazedonien und Serbien in die EU streben. Die meisten wollen von dort aus über Slowenien nach Österreich, Deutschland oder in skandinavische Länder.

Familien wurden getrennt

In Kroatien wurden die ersten Neuankömmlinge am Donnerstag zunächst von Polizisten empfangen und zu Bussen und Zügen gebracht, die sie zu Flüchtlingsaufnahmezentren in Zagreb und anderen Teilen des Landes bringen sollten. Doch in der Grenzstadt Tovarnik geriet die Situation rasch außer Kontrolle: Hunderte aufgebrachte Flüchtlinge drückten gegen Polizeibarrikaden, nachdem sie bei brütender Hitze stundenlang ausharren mussten, weil keine Züge mehr fuhren. Lautstark forderten die Menschen, nach Westeuropa weitergelassen zu werden. Als schließlich Busse eintrafen, stürmte die Menge auf sie zu und überwältigte die Polizisten. Die Lage beruhigte sich daraufhin.

In der nordkroatischen Stadt Batina hatte die Polizei Mühe, den Andrang Hunderter weiterer Flüchtlinge zu bewältigen. Sie waren über eine Donaubrücke gekommen, auf die sie per Bus von serbischen Behörden gebracht worden waren. Einige Familien wurden getrennt, als Dutzende kroatische Polizisten versuchten, der Lage Herr zu werden.

Appell an Politiker

Innenminister Ranko Ostojic versicherte zunächst, die Regierung habe die Lage unter Kontrolle. Später richtete er jedoch eine Botschaft an die Flüchtlinge: «Kommt nicht mehr hierher. Bleibt in den Flüchtlingszentren in Serbien und Mazedonien und Griechenland», sagte er vor Reportern. «Das ist nicht die Route nach Europa. Busse können euch da nicht hinbringen. Es ist eine Lüge.» Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic wies das Militär an, notfalls die Grenze vor den Flüchtlingen zu schützen.

(L'essentiel/sda)

Ungarn baut Zaun an Grenze zu Kroatien

Zur Abwehr von Flüchtlingen hat Ungarn auch an seiner Grenze zu Kroatien mit der Errichtung eines Stacheldrahtzauns begonnen. 500 Soldaten hätten in der Nacht mit dem Bau der Absperrung begonnen, sagte Ministerpräsident Viktor Orban in einem Rundfunkinterview. Die Regierung in Budapest ließ bereits die Grenze zu Serbien abriegeln, woraufhin tausende Flüchtlinge auf das benachbarte Kroatien auswichen, um von dort weiter nach Mittel- und Nordeuropa zu gelangen.

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