Esch2022 – Künstlerkollektiv gibt der Kultur die Richtung vor

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Esch2022Künstlerkollektiv gibt der Kultur die Richtung vor

LUXEMBURG – Sechs Tage vor dem offiziellen Datum organisiert das Kollektiv «Richtung 22» seine ganz eigene, «softe» Eröffnung von Esch2022.

Die Mitglieder des Kollektivs bereiten ihre falsche Kavalkade vor.

Die Mitglieder des Kollektivs bereiten ihre falsche Kavalkade vor.

L'essentiel/Vincent Lescaut

«Das Team von Esch2022 wusste, wer wir sind, als sie uns ein Projekt zugestanden haben», sagt Maurice Sinner vom Kollektiv «Richtung 22» und lacht. Die europäische Kulturhauptstadt hatte Bewohner und Künstler aus dem Süden eingeladen, sich mit einer Vielzahl von Projekten, die sich mit der Zukunft der Eisenmetropole befassen, zu beteiligen. Richtung 22, bekannt für seine satirischen Filme über die luxemburgische Politik, nutzte die Gelegenheit, um am Sonntag seine eigene, ganz «softe» Eröffnung von Esch2022 zu veranstalten. Sechs Tage vor dem offiziellen Zeitplan.

Bei der Aktion «Dat hei ass keng Kavalkad – Invasioun op Esch» lädt Richtung22-Interessierte ein, sich ihnen um 15 Uhr am Gebäude 4 anzuschließen, «verkleidet als Menschen, die mit der Straßenbahn fahren, auf der Großgasse einkaufen – in Businesskleidung». Der Gruppe werden sich Karnevalswagen und ein blauer Hirsch aus der Zeit, als Luxemburg-Stadt europäische Kulturhauptstadt war, anschließen, um bis zur Place de la Résistance zu laufen, um «Beton, Glas und Kultur in die Minett zu bringen».

«Welchen Platz werden die heutigen Escher in dieser Zukunft einnehmen?»

Im Fokus der Gruppe steht die Frage der Gentrifizierung: «Esch2022 hat sich zum Ziel gesetzt, die Transformation der Stadt in eine Zukunft zu begleiten, in der die grauen Zellen den Stahl als Ressource abgelöst haben», sagt Maurice Sinner und stellt gleich die Frage, um die es ihnen geht: «Welchen Platz werden die heutigen Escher in dieser Zukunft einnehmen?»

Zumal immer neue Stadtviertel mit Wohnungen entstehen, «die sich die Einheimischen nicht leisten können. Es ist auch eine Wahl, eine Eröffnung von Esch2022 zu organisieren, indem man ein großes Unternehmen aus Berlin beauftragt, eine Weltraumrakete von Belval aus starten zu lassen», fährt er fort. «Die Frage, welche Kultur wir schaffen wollen, die von wem produziert wird und für wen bestimmt ist, ist legitim. Diese Debatte wollen wir eröffnen».

(Severine Goffin/L'essentiel)

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