Private Vorsorge – Kürzer arbeiten und dennoch die volle Rente

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Private VorsorgeKürzer arbeiten und dennoch die volle Rente

LUXEMBURG – Wer künftig nicht drei Jahre länger arbeiten will, um seine volle Rente zu erhalten - wie von der Regierung vorgesehen - kann das privat ausgleichen. Billig ist das nicht.

Jean-Paul Meyer, Pressesprecher von La Luxembourgeoise, ist der Ansicht, dass Renten künftig anders verkauft werden: Dann würde nicht mehr die Finanzierung des kleinen Luxus im Rentenleben im Vordergrund stehen, wie die Kreuzfahrtreise, sondern der Erhalt des Lebensniveaus.

Jean-Paul Meyer, Pressesprecher von La Luxembourgeoise, ist der Ansicht, dass Renten künftig anders verkauft werden: Dann würde nicht mehr die Finanzierung des kleinen Luxus im Rentenleben im Vordergrund stehen, wie die Kreuzfahrtreise, sondern der Erhalt des Lebensniveaus.

DPA

Wer nach einem arbeitsreichen Leben in Luxemburg in die Rente geht, wird nicht plötzlich das große Sparen anfangen müssen. Laut einer OECD-Studie erhält eine Person mit durchschnittlichem Einkommen eine Rente, die 87 Prozent ihres Brutto-Lebenseinkommens entspricht. Kein Wunder also, dass lediglich 3,4 Prozent aller Erwerbstätigen über eine private Rentenversicherung verfügen. Doch das könnte sich mit der Rentenreform ändern.

Denn der Betrag, den ein Rentner heute erhält, dürfte 2052 bei vollem Wirken der Reform um bis zu 14 Prozent sinken. Dies hat die Angestelltenkammer (CSL) ausgerechnet. Die Reduzierung gilt, wenn ein Arbeitnehmer nicht drei Jahre länger arbeiten möchte, um die volle Rente zu erhalten. «L’essentiel Online» hat bei den beiden Versicherungsgesellschaft La Luxembourgeoise und Foyer nachgefragt, welchen Betrag ein Angestellter heute in eine private Vorsorge stecken muss, um den Verlust auszugleichen. Das zeigen wir anhand von drei Beispielen für einen Mann, der heute um die 40 Jahre alt ist und seine Rente mit 60 Jahren erhalten möchte. Dazu nutzt er ein privates Vorsorgemodell, das sich steuerlich absetzen lässt (weitere Konditionen in der Infobox).

Der Mindestlohnverdiener:

Der heute 37-jährige hat bereits im Alter von 17 Jahren angefangen zu arbeiten und erhält lebenslang den Mindestlohn von rund 1 800 Euro. Dies heißt, er darf laut Gesetz schon mit 57 Jahren in Rente gehen: 1 708 Euro werden dann auf sein Konto fließen. Ab seinem 60. Geburtstag darf er sich zusätzlich über die Auszahlung seiner privaten Vorsorge freuen. 77 Euro sollen dies sein, um den Verlust durch die Rentenreform auszugleichen. Je nach Versicherungsgesellschaft muss er ab heute bis zu seinem 60. Lebensjahr pro Monat zwischen 78 und 83 Euro selbst einzahlen – um in etwa den gleichen Betrag in 28 Jahren herauszubekommen.

Der Gutverdiener:

Der heute 42-Jährige verdient durchschnittlich 4 500 Euro pro Monat. Wenn er 2030 in Rente geht, erhält er monatlich 3 180 Euro von der gesetzlichen Rentenversicherung – 156 Euro weniger als ein heutiger Pensionär, sagt die CSL voraus. Diesen Betrag will er stattdessen von seiner privaten Rentenversicherung erhalten. La Luxembourgeoise und Foyer haben errechnet, dass er jährlich so viel einzahlen muss, wie je nach Altersklasse maximal steuerlich absetzbar kann (zwischen 145 und 267 Euro pro Monat), um ab seinem 60. Lebensjahr zusätzliche rund 160 Euro zu der Leistung vom Staat zu erhalten (siehe Infobox).

Der Besserverdiener:

Er ist heute 42 Jahre alt. Sein Arbeitgeber überweist ihm monatlich 6 000 Euro. Wenn er 2030 in Rente geht, wird er vom Staat 4 093 Euro erhalten. Er verliert durch die Rentenreform monatlich 215 Euro. Um aus einer privaten Vorsorge diese Summe nach dem 60. Geburtstag wieder herauszubekommen, ist das von uns gewählte private Modell nicht ausreichend. Wie oben gesehen, stößt bereits der Gutverdiener bei 160 Euro pro Monat an die Grenzen der steuerlichen Absetzbarkeit.

Philippe Bonte, Geschäftsführer Leben bei Foyer, rät stattdessen, so viel einzuzahlen wie der Gutverdiener, aber die Einzahlungszeit bis zum 62. Lebensjahr auszuweiten. Alternativ könne zusätzlich zur steuerlich absetzbaren Vorsorgeversicherung ein zweiter Rentenvertrag abgeschlossen werden. Diese Möglichkeit nennt auch Pressesprecher Jean-Paul Meyer von La Luxembourgeoise.

Das Fazit:

Wer als heute 40-Jähriger lieber drei Jahre früher das Rentnerleben genießt und das ohne finanzielle Einschnitte durch die Reform, der muss von nun an knapp 30 Jahre lang eine bedeutende Summe Geld in die private Vorsorge stecken – bei den hier errechneten Szenarien je nach Gehalt und Alter 78, 145, 267 Euro oder gar noch mehr pro Monat.

Wie sich an den Szenarien zeigt, profitiert nicht jeder Bürger in gleicher Weise vom steuerlich absetzbaren Modell – alles hängt vom Einkommen ab. Der Mindestlohnbezieher hat wenige steuerliche Vorteile, weil er kaum Steuern bezahlt – obwohl der eine zusätzliche Rente zur Absicherung wohl am nötigsten hätte. Wer überdurchschnittlich gut verdient, kommt bei der Absetzbarkeit in der Steuererklärung leicht an die Grenzen.

Gewerkschaften wie der OGBL hoffen, dass der Staat Angestellten die Möglichkeit eröffnen wird, freiwillig mehr in die gesetzliche Kasse einzuzahlen. «Die wäre sicherer als eine private Zusatzrente. Gerade die Finanzkrise hat gezeigt, dass in den Ländern, in denen das Kapitalisationsverfahren besteht, viele Menschen ihre Rente verloren haben», sagt Pressesprecher Mil Lorang.

In der aktuellen Reform sind keine Änderungen an den privaten und betrieblichen Rentenregelungen vorgesehen. «Allerdings ist eine spezifische Arbeitsgruppe dabei, die aktuelle Situation zu überprüfen und gegebenenfalls Vorschläge auszuarbeiten, welche sich dann voraussichtlich in einem separaten Text niederschlagen würden», heißt es bei der Generalinspektion für soziale Sicherheit.

Die privaten Rentenversicherer glauben derweil, dass in Zukunft immer mehr Menschen ihre Produkte nachfragen werden. «Das wäre die logische Konsequenz. Ich hoffe nicht darauf, um mehr Geld zu machen. Vielmehr müssen die Leute darauf achten, dass sie ein Einkommen haben, das es ihnen erlaubt, einen ordentlichen Lebensstandard beizubehalten», sagt Philippe Bonte. Jean-Paul Meyer ist der Ansicht, dass Renten künftig anders verkauft werden: Dann würde nicht mehr die Finanzierung des kleinen Luxus im Rentenleben im Vordergrund stehen, wie die Kreuzfahrtreise, sondern der Erhalt des Lebensniveaus.

(Kerstin Smirr/L’essentiel Online)

Private Vorsorge steuerlich absetzen

Der Staat hat einige Regeln aufgestellt, damit eine private Rentenvorsorgeversicherung von der Steuer abgesetzt werden kann. Je nach Alter dürfen Angestellte pro Jahr maximal eine bestimmte Einzahlungssumme in der Steuererklärung angeben (unter 40-Jährige: 1 500 Euro, 40 – 44 Jahre: 1 750 Euro, 45 bis 49 Jahre: 2 100 Euro, 50 bis 54 Jahre: 2 600 Euro, 55 bis 74 Jahre: 3 200 Euro). Der Vertrag muss über mindestens zehn Jahre laufen und kann erst ab dem 60. Lebensjahr ausgezahlt werden. Die Rente kann maximal bis zur Hälfte einmalig als Kapital ausgezahlt werden. Die restliche Leistung wird als monatliche Leibrente ausbezahlt. Weitere Einzelheiten auf der Internetseite von «De Guichet».

Hinweis zu den Berechnungen:

Bei allen errechneten Auszahlungsbeträgen handelt es sich um Schätzungen, da der Zinssatz variieren kann. Zudem werden im kommenden Jahr so genannte Unisex-Tarife eingeführt, so dass Frauen und Männer trotz unterschiedlicher Lebenserwartung die gleichen Vertragsbedingungen erhalten. Dadurch werden sich die Tarife ändern. Die Berechnungswerte können auch angepasst werden, wenn die Lebenserwartung steigen sollte.

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