Deutschland: Kulturelle Aneignung – «Indianer»-Ferien werden nicht mehr unterstützt

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DeutschlandKulturelle Aneignung – «Indianer»-Ferien werden nicht mehr unterstützt

Kinder aus armen Familien in Hannover sollten die Chance bekommen, ihre Freizeit mit Aktivitäten in der Natur zu verbringen. Weil die Veranstaltung das Wort «Indianer» hatte, lehnten die Behörden eine Finanzierung ab.

von
Karin Leuthold
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«Indianer»-Ferien – so heißt ein Freizeitprogramm des Familienzentrums Hannover, das an kinderreiche Familien gerichtet ist.

«Indianer»-Ferien – so heißt ein Freizeitprogramm des Familienzentrums Hannover, das an kinderreiche Familien gerichtet ist.

imago/Westend61
Die Organisation beantragte finanzielle Hilfe beim Integrationsbeirat.

Die Organisation beantragte finanzielle Hilfe beim Integrationsbeirat.

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Doch die Behörden lehnten den Antrag ab: Das Wort «Indianer» war ihnen ein Dorn im Auge.

Doch die Behörden lehnten den Antrag ab: Das Wort «Indianer» war ihnen ein Dorn im Auge.

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Für Kinder aus ärmlichen Verhältnissen in Hannover standen diesen Sommer die Ferien auf der Kippe. Die Behörden haben einen Zuschuss für «Indianerferien» abgelehnt – den Beamten war das Wort «Indianer» zu heikel, es könnte sich um einen Fall kultureller Aneignung handeln, lautete die Begründung.

Wie die Hannoversche Allgemeine (HAZ) berichtet, hatte das Familienzentrum Buben und Mädchen aus kinderreichen Familien, die nicht in die Ferien fahren konnten, eingeladen, die Freizeit in einem lokalen Park zu verbringen. Das Familienzentrum hatte dafür 3000 Euro Förderung beim Integrationsbeirat Hannover-Ricklingen beantragt.

Doch das Wort «Indianer» als Name für die Veranstaltung war den zuständigen Behörden ein Dorn im Auge. «Im Fokus sollte die geschichtliche und zeitliche Einordnung des Themas in der Vermittlung an Kinder und Teilnehmende stehen, ohne Fokus auf eine Ethnie und die Reproduktion von Klischees», erklärte Rathaus-Pressesprecherin Christina Merzbach der HAZ.

Vermittlung der Handwerkstechniken der Indianer

Ganz anders hatte allerdings das Familienzentrum sein Programm angedacht. Es habe eher die kulturelle Vielfalt als Bereicherung darstellen wollen, sagte eine Sprecherin. Im Fokus der Aktivitäten stand unter anderem die Vermittlung alter Handwerkstechniken.

Mittlerweile erkennen beide Parteien das Missverständnis. Hätte ein Mitarbeitender des Familienzentrums an der entscheidenden Sitzung teilgenommen, wäre das Problem von Anfang an beseitigt worden. Trotz ausbleibender städtischer Förderung konnten die Kinder in die Ferien fahren, sagt die Sprecherin des Familienzentrums. Es finanzierte die Indianer-Freizeit schließlich mit eigenen Mitteln und Spenden.

Immer öfter werden in Deutschland Vorwürfe der kulturellen Aneignung laut. Es begann mit dem Verbot der Musikerin Ronja Maltzahn im März, als sie nicht an einer Demo von Fridays for Future auftreten durfte, weil sie als weiße Frau Dreadlocks trägt.

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