Breivik-Prozess – Laienrichter befangen, musste gehen
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Breivik-ProzessLaienrichter befangen, musste gehen

Einer der Laienrichter im Prozess gegen Anders Behring Breivik wurde für befangen erklärt. Er forderte auf Facebook die Todesstrafe für den Angeklagten.

Laienrichter Thomas Indreboe wurde am Dienstagmorgen wegen Befangenheit vom Gericht ausgeschlossen.

Laienrichter Thomas Indreboe wurde am Dienstagmorgen wegen Befangenheit vom Gericht ausgeschlossen.

DPA

Ein Laienrichter im Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik ist für befangen erklärt worden. Seine öffentliche Reaktion nach den Terroranschlägen im vergangenen Sommer könne «das Vertrauen in ihn als Richter schwächen», sagte Richterin Wenche Elizabeth Arntzen am Dienstag.

Der 33 Jahre alte Schöffe hatte zugegeben, einen Artikel der Zeitung «VG» im sozialen Netzwerk Facebook mit den Worten kommentiert zu haben: «Die Todesstrafe ist das einzig gerechte in diesem Fall!» .

Eine Vertrauensfrage für das Gericht

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten gefordert, dass er vom Prozess ausgeschlossen wird. «Das könnte das Vertrauen des Gerichtes schwächen», sagte Breiviks Verteidiger Geir Lippestad. Ein Ersatzrichter rückt nun auf.

Das Gericht hatte bereits im Vorfeld des Prozesses zwei der fünf berufenen Laienrichter ausgeschlossen. Ein Mann wurde für befangen erklärt, weil sein Sohn Mitglied der sozialdemokratischen Jugend AUF ist. Diese Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei war eines der Hauptziele von Breiviks Attentaten im vergangenen Sommer.

Breivik will sich erklären

Der Angeklagte Breivik soll sich am zweiten Prozesstag erklären und die Motive für seine Attentate vom vergangenen Sommer darlegen. Der 33-Jährige muss sich für den Tod von 77 Menschen verantworten. Ihm werden Terrorismus und vorsätzlicher Mord vorgeworfen.

(L'essentiel Online/dpa)

Was ist ein Laienrichter?

Das Amt des ehrenamtlichen Richters, das es in einigen Ländern wie Norwegen, aber auch zum Beispiel Deutschland gibt, geht auf die politische Aufklärung im 19. Jahrhundert und die Emanzipation des Bürgertums zurück. Die Beteiligung von Nichtjuristen an der Rechtsprechung sollte den Einfluss der Obrigkeit verringern. Ehrenamtliche Richter bringen im Ideal ein vom rein juristischen Denken unabhängiges Verständnis mit in die Urteilsfindung ein, das stärker in der Lebenswirklichkeit verwurzelt sein sollte. In Strafsachen werden ehrenamtliche Richter als Schöffen bezeichnet.

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