Lycée Ermesinde – Lehrer und Schüler unter Druck gesetzt?

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Lycée ErmesindeLehrer und Schüler unter Druck gesetzt?

LUXEMBURG - Mobbing und ein schlechtes Lernklima wirft die Lehrergewerkschaft Apess dem Ex-«Néie Lycée» vor. Für das Ministerium geht es um einen Einzelfall.

Das Ex-«Néie Lycée» ist erst vor wenigen Monaten aus der Hauptstadt in eine nagelneue Schule nach Mersch gezogen.

Das Ex-«Néie Lycée» ist erst vor wenigen Monaten aus der Hauptstadt in eine nagelneue Schule nach Mersch gezogen.

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Mit scharfen Vorwürfen greift die Lehrergewerkschaft Apess die Direktion des ehemaligen «Néie Lycée» und jetzigen Lyzeums Ermesinde in Mersch an. Das Lehrpersonal werde in großem Stil gemobbt, es herrsche kein vertrauensvolles Arbeitsklima mehr zwischen Lehrern und Direktion der Schule, die laut ihren Statuten ein innovatives Konzept im Sekundarschulbereich anstrebt. Lehrer würden demnach dermaßen eingeschüchtert, dass sie sich höchstens trauten, anonym Aussagen über die Zustände am Lyzeum zu machen. Die Zahl der Anträge auf Versetzung seien dementsprechend enorm hoch.

Schulministerin Mady Delvaux-Stehres (LSAP) reagierte nach Angaben ihrer Sprecherin «entsetzt» auf die Anschuldigungen in der Mitteilung der Apess. Für die Verantwortlichen im Ministerium handelt es sich bei dem Konflikt an der Modellschule um einen «Einzelfall». Demnach laufe eine Analyse zum Fall einer Lehrerin. Schüler der überhaupt ersten Abschlussklasse des noch relativ jungen Lycée Ermesinde mit seinen aktuell 477 Schülern hätten sich von ihr unter Druck Gesetz gefühlt. «Wir haben die Lehrerin aus der Examenskommission abgezogen, als Vorsichtsmaßnahme», erklärt Myriam Bamberg, Sprecherin des Ministeriums, auf Nachfrage von «L’essentiel Online» am Freitagmorgen. Die Analyse sei noch nicht abgeschlossen, die Ministerin sei in das Verfahren involviert.

Die Versetzungsanträge von vier der insgesamt 60 Lehrer und Lehrbeauftragten am Lycée Ermesinde in diesem Schuljahr erklärt das Ministerium nicht mit Problemen an der Schule, sondern mit dem Umzug der Schule nach Mersch im Laufe des Schuljahres. «Die Zahl erscheint uns nicht besorgniserregend hoch im Vergleich zu anderen Schulen», so Bamberg.

Wurden Schüler unter Druck gesetzt?

Nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schüler seien betroffen, so ein weiterer Vorwurf der Gewerkschaft. Das Klima der Einschüchterung wirke sich ebenfalls auf das Lernklima aus. So seien Schüler unter Druck gesetzt worden, wenn sie sich beschweren oder gar die Schule wechseln wollten. Zudem bemängelt die Gewerkschaft die hohe Zahl der Lehrbeauftragten bei den Prüfungen für die Premières-Examen, die bei der Korrektur ausgebildete Lehrkräfte ersetzten.

Das Ministerium bestätigt dies. «Dass wir Lehrbeauftragte einsetzen müssen, ist zwar bedauerlich, aber an vielen Lyzeen der Fall, weil es einfach nicht genügend ausgebildete Lehrer gibt», so Bamberg. Bei der Korrektur der Abschlussprüfungen wendeten diese aber dieselben Standards an, wie alle anderen Lehrer auch. Die Ergebnisse der ersten Abschlussklasse des Ex-«Néie Lycée» hätten die Verantwortlichen überdies sehr zufriedengestellt: 11 der 13 Prüflinge haben bestanden.

Abgesehen von dem Fall einer einzelnen Lehrerin habe es auch keine Beschwerden von Eltern über die Schule gegeben, erklärt Bamberg auf Nachfrage. «Für das kommende Schuljahr haben wir 460 Anmeldungen für 153 zu vergebene Plätze. Wir werten dies eher als Zeichen der Zufriedenheit mit der Schule.»

(sb/L'essentiel Online)

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