Premier League – Leicesters Meister-Märchen ist wahr

Publiziert

Premier LeagueLeicesters Meister-Märchen ist wahr

Weil sich Tottenham und Chelsea 2:2 trennen, ist der Titelgewinn für Leicester City unter Dach und Fach. Die Spieler feiern zuhause bei Jamie Vardy.

Leicester City schreibt die faszinierendste Geschichte seit der Premier-League-Gründung 1992. Dank dem Punktverlust Tottenhams (2:2 gegen Chelsea) am Montagabend sichern sich die Foxes den ersten Titelgewinn.

Die fernen (Meister-)Beobachter aus Leicester hatten bis zur großen Trendwende zu ihren Gunsten über 96 Minuten lang zu leiden. Tottenham war dank dem 25. Treffer von Topscorer Harry Kane und dem perfekten Abschluss Sons unmittelbar vor der Pause zur 2:0-Führung gegen Chelsea gestürmt.

Das Team von Leicester City feiert zuhause bei Jamie Hardy den Meistertitel. (Video: Youtube/Rais007)

Die Reaktion des entthronten Titelhalters blieb nicht aus. Innerhalb von 25 turbulenten Minuten erzwangen die Blues dank Toren von Gary Cahill und Joker Eden Hazard das Comeback in einem teilweise gehässigen Londoner Derby. In den letzten Minuten entglitt den an der Stamford Bridge auch im 26. Anlauf in Folge erfolglosen Spurs nicht nur die Chance auf den ersten Titel seit 1961, sondern auch mehrfach die Beherrschung.

Der im Theatre of Dreams von Manchester tags zuvor gegen den Rekordmeister erkämpfte Punkt war für Leicester letztlich Gold wert. In der üblicherweise unspektakulären Stadt am Motorway M1 löste das Londoner Derby-Remis im Nachtrag zur 36. Runde regelrechte Eruptionen aus. Die Anhänger reagierten im positiven Sinn fassungslos. Der Coup des lange nahezu namenlosen Vereins aus den East Midlands ist kaum hoch genug einzustufen.

Vor zwei Jahren erst ist er aufgestiegen, im März 2015 drohte der direkte Rückfall in die zweite Klasse. Und nun steht der krasse Außenseiter Leicester zuoberst, der Club mit der 1:5000-Meisterquote verdrängt erstmals seit den Blackburn Rovers vor 21 Jahren die Tenöre aus den Zentren London und Manchester von der Spitze des nationalen Rankings.

Der grandiose Coup erinnert an den ersten und bislang einzigen Titeltriumph von Nottingham Forest. 1978 stürmte der Aufsteiger unter Brian Clough mit nur drei Niederlagen in 42 Runden an die Spitze. Dank herausragenden und vor einem Jahr weitgehend unbekannten Figuren wie Riyad Mahrez, Jamie Vardy, Danny Drinkwater oder N'Golo Kanté schrieb Leicester im ähnlichen Stil Geschichte.

Ranieris Antwort

Im letzten Sommer drängte das Management nach diversen disziplinarischen Verfehlungen auf einer Promo-Tour in Asien auf das Engagement eines neuen Trainers: Claudio Ranieri kam, der Römer mit prominenten Ex-Arbeitgebern, aber überschaubarem Werdegang. Während drei Dekaden hatte der 64-Jährige weder mit Juventus noch mit Chelsea oder Atletico Madrid je einen Titel gewonnen. Eigenen Angaben zufolge hätten ihn die Vorgesetzten im letzten Juli bekniet, alles zu unternehmen, um nicht abzusteigen.

«Claudio Ranieri? Wirklich?», twitterte Gary Lineker spöttisch. «Gary Goal», der frühere Star-Stürmer Englands und heutige BBC-Moderator, der aus Leicester stammt, empfing den Italiener so skeptisch wie alle übrigen Kommentatoren auf der Insel. Als Bastler und Kesselflicker verunglimpften sie ihn. Einem Coach, der Griechenland in der letzten EM-Ausscheidung nicht vor einer blamablen Heimpleite gegen die Färöer bewahren konnte, traute kein Experte etwas zu. Nun dürfte die BBC den St. Claudio's Day ausrufen.

(L'essentiel/sda)

Deine Meinung