Rassismus: «Lëtz Rise Up» fordert Abriss eines kolonialen Denkmals in Niederkerschen

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Rassismus«Lëtz Rise Up» fordert Abriss eines kolonialen Denkmals in Niederkerschen

NIEDERKERSCHEN – Die antirassistische Vereinigung «Lëtz Rise Up» fordert den Abriss eines Gedenktafel für Nicolas Cito. Der Luxemburger Ingenieur soll bei der Kolonisierung des Kongos durch Belgien aktiv mitgewirkt haben.

von
Thomas Holzer
Das Denkmal befindet sich in der Rue de l’Église in Niederkerschen.

Das Denkmal befindet sich in der Rue de l’Église in Niederkerschen.

Vincent Lescaut

«Lëtz Rise Up» hat eine Petition ins Leben gerufen, damit das Denkmal zu Ehren von Nicolas Cito in Niederkerschen abgerissen wird. Doch wer ist Nicolas Cito überhaupt? Der Luxemburger wurde 1866 geboren und starb im Jahr 1949. Er gehört zu den größten Bauingenieuren Luxemburgs. Ihm sind zahlreiche Eisenbahnstrecken zu verdanken – weltweit. Er leitete unter anderem die Bauarbeiten der ersten Bahnstrecke Matadi-Léopoldville (die heutige Hauptstadt Kinshasa).

Insgesamt 124 Jahre später und 8700 Kilometer von Kinshasa entfernt wird ihm nun vorgeworfen, für den Tod von mehr als 5000 kolonialen Zwangsarbeitern verantwortlich zu sein. «Er hat Blut an den Händen»: Damit begründet die antirassistische Vereinigung ihre Forderung, das Denkmal in Niederkerschen abbauen zu lassen.

Solche Forderungen sind nicht neu. Ähnliche Debatten gibt es bereits seit mehreren Jahren in unterschiedlichen Ländern – unter anderem in den USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich. Die Diskussion führte oftmals zu hitzigen Auseinandersetzungen, insbesondere nach der Welle antirassistischer Demonstrationen nach dem Tod von George Floyd im Sommer 2020.

Protestaktion vor der US-Botschaft im Juni 2020.

Protestaktion vor der US-Botschaft im Juni 2020.

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Zu diesem Zeitpunkt war auch Luxemburg gefordert, sich mit der Rassismusfrage auseinanderzusetzen. Daraufhin ist in der Gemeinde Wahl eine Straße umbenannt worden. «Der Gemeinderat hat damals die ehemalige Rue Nicolas Grang zu ‹Um Schéckelt› umbenannt. Grang war der erste Luxemburger, der 1883 im Kongo umkam – ein blutrünstiger ehemaliger Militär», erklärt Aktivistin Sandrine Gashonga. Den öffentlichen Raum «entkolonisieren» zu wollen, bedeute «Straßennamen zu haben, in denen sich jeder wohlfühlen kann», so die Begründung der Koordinatorin von «Lëtz Rise Up».

Menschen, die sich durch ein Denkmal auf dem Staatsgebiet verletzt fühlen, könnten sich jederzeit bei der Vereinigung melden. «Um weiterzukommen, muss Luxemburg die oft sehr tiefen Wurzeln der heutigen Ungerechtigkeiten anerkennen, ebenso wie die Ereignisse und Traditionen, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind – im guten wie im schlechten Sinne», sagt sie.

Sandrine Gashonga von Lëtz Rise Up.

Sandrine Gashonga von Lëtz Rise Up.

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Auf die Frage, ob dadurch nicht die Geschichte des Landes ausgelöscht werde, sagt Gashonga: «Wir schlagen vor, die Denkmäler durch neue – zu Ehren anderer Vorbilder – zu ersetzen». Es gehe nicht darum, sie zu zerstören. «Sie sollten an einem anderen Ort aufbewahrt werden», findet sie.

«Kein Denkmal, das die Verdienste würdigt»

Michel Wolter, Bürgermeister (CSV)

Ein Wunsch, der im Falle Cito wohl so bald nicht in Erfüllung gehen wird. Wie «Lëtz Rise Up» von der Gemeinde Niederkerschen mitgeteilt wurde, habe diese nicht vor, das Denkmal abzureißen. Auf Nachfrage von L‘essentiel wies Bürgermeister Michel Wolter (CSV) die Annahme zurück, dass es sich bei der Tafel um ein Denkmahl handele, «das die Verdienste würdigt». Stattdessen sei sie ein «Dank für eine finanzielle Unterstützung auf Gemeindeebene». Sie sei von Citos gleichnamigen Neffen und Bildhauer angefertigt worden, da sein Onkel eine Schule finanziert hatte, die früher auch seinen Namen trug und in der heute das LTPS untergebracht ist.

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