Land am Scheidepunkt – Libyen droht ein Bürgerkrieg

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Land am ScheidepunktLibyen droht ein Bürgerkrieg

Nach der Ära Gaddafi geraten sich die noch immer bewaffneten Milizen in die Haare. Bei einer Schießerei wurden vier Kämpfer getötet. Der Übergangsrat warnt vor einer Spaltung des Landes.

Mitten auf einer belebten Geschäftsstraße in Tripolis sind bei Kämpfen zwischen Milizen am 3. Januar vier Menschen getötet worden. (Bild: Reuters)

Mitten auf einer belebten Geschäftsstraße in Tripolis sind bei Kämpfen zwischen Milizen am 3. Januar vier Menschen getötet worden. (Bild: Reuters)

Libyen könnte nach Einschätzung des Nationalen Übergangsrates (NTC) im Bürgerkrieg versinken, wenn die sich bekämpfenden Milizen nicht unter Kontrolle gebracht werden.

Der NTC-Vorsitzende, Mustafa Abdel Dschalil, sagte am späten Dienstagabend in Benghasi, das Land stehe vor zwei bitteren Möglichkeiten: «Entweder wir gehen strikt gegen die Übergriffe vor und führen die Libyer in eine militärische Konfrontation, was wir nicht akzeptieren, oder wir spalten uns, und das heißt Bürgerkrieg.»

Schießereien mit vier Toten

Dschalil reagierte damit auf Schießereien zwischen Milizen in einer Geschäftsstraße in der libyschen Hauptstadt Tripolis, bei der vier Kämpfer getötet wurden.

Mehr als zwei Monate nachdem Aufständische den langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi getötet haben, bemüht sich der Übergangsrat, seine Autorität auszuüben. Allerdings weigern sich rivalisierende Gruppen, ihre Waffen niederzulegen.

Milizen wollen sich nicht auflösen

Zudem wollen ihre Anführer das Kommando nicht abgeben. «Wenn es keine Sicherheit gibt, wird es kein Gesetz, keine Entwicklung und keine Wahlen geben», sagte Dschalil. «Die Menschen üben Selbstjustiz.»

Neun Monate lang haben die Rebellen, die aus Dutzenden Städten und vielen verschiedenen politischen Lagern zusammengezogen wurden, erbittert gegen Gaddafi gekämpft. Nun weigern sich die Milizen, sich wieder aufzulösen.

Ringen um Einfluss

Sie ringen miteinander um den größeren Einfluss im neuen Libyen. Und sie sind überzeugt, dass sie in der Hauptstadt eine bewaffnete Präsenz zeigen müssen, wenn sie ihren Anteil an der politischen Macht sichern wollen.

Der Übergangsrat hat damit begonnen, eine funktionstüchtige Armee und Polizei zu bilden, die für Sicherheit sorgen und die Kontrolle von den Milizen übernehmen sollen. Doch Dschalil räumte ein, dass der Übergangsrat dabei zu langsam vorankommt. «Wir haben keine Sicherheit, weil die Kämpfer ihre Waffen nicht abgegeben haben, obwohl sie von den örtlichen Räten dazu die Möglichkeit erhalten haben.»

(L'essentiel Online/sda)

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