Pestizide in der Sauer – Liebe Sebes, ist unser Trinkwasser noch sauber?
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Pestizide in der SauerLiebe Sebes, ist unser Trinkwasser noch sauber?

LUXEMBURG – In vier Tagen soll die «Pestizidwelle» aus Belgien in das größte Trinkwasserreservoir des Landes schwappen. Besteht Anlass zur Sorge?

Bei einer Untersuchung des Stausees in Esch/Sauer wurde eine Grundbelastung mit landwirtschaftlichen Pestiziden nachgewiesen.

Bei einer Untersuchung des Stausees in Esch/Sauer wurde eine Grundbelastung mit landwirtschaftlichen Pestiziden nachgewiesen.

Der Pestizid-Unfall in einem Nebenarm der Sauer in Belgien hat in vielen luxemburgischen Haushalten Unbehagen ausgelöst. Viele Bürger fragen sich: Ist mein Trinkwasser noch sauber? Wie gefährlich ist die «Giftwelle», die langsam Richtung Stausee rollt? L’essentiel hat am Montagnachmittag beim Betreiber des größten Trinkwasserspeichers im Großherzogtum, dem Syndikat Sebes in Esch/Sauer, nachgefragt. Die klare Antwort vom technischen Direktor Georges Kraus: «Der Verzehr von Trinkwasser aus unserer Anlage war und ist für den Menschen völlig unbedenklich. Unser Wasser ist sauber!» Die nächsten Tage könnten jedoch kritisch werden.

6000 Liter des giftigen Pflanzenschutzmittels Métazachlore sind bei dem Unfall in der wallonischen Gemeinde Witry (Weeltrich auf Luxemburgisch) in einen Zufluss der Sauer gelangt. Nach und nach werden die Pestizide nun in Richtung des Stausees in Esch/Sauer gespült, der mehr als die Hälfte des Landes mit Trinkwasser versorgt. Analysen zeigen jedoch, dass der Stausee bereits vor dem Unfall eine Grundbelastung mit Pestiziden aufwies. Die Sebes habe nun entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet, um das Herbizid, das vor allem im Rapsanbau verwendet wird, wieder zu neutralisieren.

Notfallpläne für Gemeinden

«Wir beobachten die Lage sehr genau und nehmen täglich Wasserproben», sagt Kraus. Noch gebe es keinen Anlass, besorgt zu sein. Verbrauchern wird jedoch empfohlen, aus Sicherheitsgründen vorerst auf den Verzehr von Fisch aus der Sauer und dem See zu verzichten.

Die Giftwelle, die am Sonntag Böwen passiert hat, soll in etwa vier Tagen im Bereich der Trinkwasserentnahme im See ankommen. «Ab einer Konzentration von einem Mikrogramm müssten wir rasche Notfallmaßnahmen einleiten», sagt Kraus. Den belieferten Gemeinden (siehe Karte in der Infobox) würde dann vorübergehend der sprichwörtliche Hahn abgedreht werden. Sie müssten dann für einige Tage statt auf den Stausee auf ihre eigenen Trinkwasserreserven zurückgreifen.

Links:
Sebes
Administration de la gestion de l'eau

(jt/L'essentiel)

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