Historienfilm bizarr – Lincoln, Präsident und Vampirjäger

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Historienfilm bizarrLincoln, Präsident und Vampirjäger

Schräge Adaptionen literarischer und historischer Werke erobern unsere Kinoleinwände. Kult-Regisseur Tim Burton weidet eine grossartige «Biografie» des 16. US-Präsidenten aus.

Man nehme einen bereits existierenden Text - oft ein klassisches literarisches Werk -, füge einige Zombies oder Aliens hinzu, und fertig ist der neue Filmtrend: Mashup. Was man bisher vor allem aus der Musikbranche kennt, erobert nun Hollywood.

Aktuelles Beispiel ist «Abraham Lincoln: Vampire Hunter» des amerikanischen Autors Seth Grahame-Smith, der die Biografie des 16. US-Präsidenten - sagen wir mal - etwas umgeschrieben hat. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte ein Vampirjäger? Dass das grossartig klingt, fand auch Tim Burton. Und so beschloss der Regisseur von Filmen wie «Sleepy Hollow» oder «Ed Wood» den Vampirkracher zu produzieren. Regie führte der russische Vampirfilm-Spezialist Timur Bekmambetov.

Lincoln macht Wrestling und kämpft mit der Axt

Abraham Lincoln muss im Film mit großem Schrecken feststellen, dass seine geliebte Mutter nicht wie angenommen wegen einer Milchunverträglichkeit ihr Leben lassen musste, sondern einer Vampirattacke zum Opfer fiel. Und so tut Lincoln, was ein Mann tun muss und bringt auf seinem Rachefeldzug jeden Vampir zur Strecke, der ihm in die Quere kommt.

Womit «Abe» allerdings nicht rechnet: Bei einem waghalsigen Kampf rettet ihm Vampir Henry Sturges das Leben und nimmt Lincoln fortan unter seine Fittiche. Er erklärt ihm den Unterschied zwischen guten und schlechten Vampiren und führt ihn in die hohe Kunst des Wrestling und des Axtkampfes ein. Und so zieht Mr. President Nacht für Nacht los, um die Liste der - natürlich nur bösen - Vampire «abzuarbeiten», die ihm Henry aufgibt. Na, wenn das mal spannungsmässig nicht an den Amerikanischen Bürgerkrieg rankommt!

Jane Austen und die Zombies

Ebenfalls in Planung ist die Verfilmung von «Pride and Prejudice and Zombies» (deutsch: Stolz und Vorurteil und Zombies), ebenfalls aus der Feder von Grahame-Smith. Der Bestseller-Autor wagte sich ans weltbekannte Werk von Jane Austen und mischte es mit Zombie- und Ninja-Elementen.

Roman-Heldin Elizabeth Bennet hat im Gegenzug zur Originalfassung wichtigere Probleme, als die wahre Liebe zu finden: Zusammen mit ihren vier Schwestern - alle der Kampfkunst und des geschickten Umgangs mit Waffen mächtig - bildet sie eine furchtlose Zombie-Vernichtungsarmee. Von «Pride and Prejudice and Zombies» gibt es übrigens bereits eine adäquate Fortsetzung: «Sense and Sensibility and Sea Monsters» (deutsch: Verstand und Gefühl und Meeresungeheuer), bei der sich der Autor ebenfalls bei Austen bediente. Neben ihr mussten auch andere literarische Grössen hinhalten wie Tolstoi für das Mashup «Android Karenina» oder Charles Dickens für «I am Scrooge: A Zombie Story for Christmas».

Zwischen zwei Welten

Schon in früheren Jahrzehnten wurden Filmgenres vermischt. Dürfen wir Sie zum Beispiel an «Westworld» erinnern, als Yul Brynner Anfang der Siebzigerjahre als Roboter im Wilden Westen sein Unwesen trieb? Jüngere Beispiele sind «Cowboys and Aliens», ein Mix aus Western und SciFi, oder «John Carter», der aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs stammt und plötzlich auf dem Planeten Barsoom landet.

Sollten sich die Autoren allerdings weiter klassische Werke zur Vorlage nehmen, dürfen wir uns vielleicht demnächst auf «Oliver Twist und die Ninjas» oder «Krieg und Frieden und Zyklopen» freuen. Eine großartige Vorstellung!

Nun aber erstmal ein Vorgeschmack auf «Abraham Lincoln: Vampire Hunter»:

(L’essentiel Online / Laura Hüttenmoser)

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