Wir machen den Test – Lokal essen verbraucht Gehirnzellen
Publiziert

Wir machen den TestLokal essen verbraucht Gehirnzellen

Ist es möglich, sich in Luxemburg nur von lokalen Produkten zu ernähren? Wir machen den Test. Dabei kommen viele Fragen auf, die wir mit Lesern debattieren.

Warum machst du das? Und wie genau? Ist das jetzt wirklich gut? Eine Woche lokal essen wollen, heißt auch, sich eine Woche lang intensiv mit dem Essen und allen Fragen drumherum auseinanderzusetzen.

Fast hatte ich das Gefühl, meine nächste Mahlzeit oder der Einkauf könne zur Obszession werden. Und wir haben immer wieder erklärt und diskutiert. Denn Freunde und Familie sind genauso neugierig und kritisch mit uns lokalen Essern - meiner Kollegin Fatima und mir - gewesen, wie die Leser von «L’essentiel Online».

Hier die wichtigsten Debatten, die wir geführt haben:

Lokal essen ist total easy!

Selbst wo «Made in Luxembourg» drauf steht, ist nicht unbedingt nur Luxemburgisches drin. Das meint auch Leserin Malou : «Auf meinem Mehl ist das Label « Made in Luxembourg », aber nichts sagt mir, dass wirklich der Inhalt aus Luxemburg stammt und nicht nur die Verpackung. Oder? Genauso ist es sicher bei den Wurstprodukten.»

Das beste Beispiel dafür ist vielleicht die «Lëtzebuerger Grillwurst». Der Verkäufer in der Fleischabteilung erklärte mir, dass es für die Herkunft des Fleisches in den herkömmlich hergestellten Würsten keinerlei Garantie gebe. Auch wer Rindfleisch mit dem Label «Vum Lëtzebuerger Bauer» kauft, weiß nur, dass das Tier einen Teil seines Lebens in Luxemburg verbracht hat, mit heimischem Futter gemästet und bei uns geschlachtet wurde. Es kann aber sein, dass es im Ausland geboren wurde. Ist das dann wirklich lokal?

Lokal essen ist zeitraubend!

Lokal essen ist teuer!

Leser Roel bestätigt diese Beobachtung: «Ich habe einmal versucht, einen Korb nur mit Lebensmitteln aus Luxemburg zu füllen. Das war superteuer, mindestens drei Mal so teuer wie im Discounter. Ich würde gern Produkte aus der Großregion kaufen, aber in 97 Prozent des Fälle kosten sie das dreifache.» Andererseits kann man davon ausgehen, dass lokales Essen gesünder ist, weil man darauf achten muss, was man isst und nicht so viel wahllos herumknabbert.

Wer lokal isst, ist ein Egoist!

Wohl aus diesem Grund wenden viele lokale Esser die «Ausnahme nach Marco Polo» an: Demnach dürfen sie Produkte, die seit der Zeit der Entdecker nach Europa importiert werden, zu sich nehmen. Dazu gehören Gewürze, aber auch Kaffee oder Zucker. Wer die Regeln ernst nimmt, kann darauf achten, fair gehandelte Produkte zu kaufen.

Lieber den Apfel von hier oder den Bio-Apfel aus Neuseeland?

Ich meine, es ist Quatsch einen Bio-Apfel mit dem Flieger aus Neuseeland kommen zu lassen, wenn ich auch einen Apfel aus herkömmlicher Produktion aus der Region essen kann. Der Verteidiger von Bio-Produkten antwortet mir dann meistens Folgendes: Wenn wir global denken, dann ist es wichtig zu wissen, dass bei der Produktion auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Wie viel Wasser geht für eine Tomate drauf und wie viel Giftstoffe verseuchen bei ihrer Züchtung den Boden? Doch wer hat schon auf alle diese Fragen eine Antwort.

Reicht lokal essen, oder sollten wir lokal leben?

(Sarah Brock/Fatima Rougi/L'essentiel Online)

Zwei Redakteurinnen machen den Test

Was? Eine Woche nur Lokales essen.

Wer? Fatima (25) und Sarah (28) aus der Redaktion von «L'essentiel Online».

Wann? Jeden Tag ein Stück des Abenteuers bei «L'essentiel Online».

Sarah schreibt auf Deutsch, Fatima auf Französisch. Hier geht's zu der französischen Version des Textes.

Deine Meinung