Bahnunglück in Düdelingen – «Lokführer wollen wissen, was wirklich passierte»
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Bahnunglück in Düdelingen«Lokführer wollen wissen, was wirklich passierte»

LUXEMBURG - Die Psychologin Véronique Holder betreut Mitarbeiter der CFL, die nach dem Bahnunglück vom 14. Februar von Sorge und vielen offenen Fragen geplagt werden.

«L'essentiel»: Wie funktioniert die psychologische Unterstützung bei den CFL?
Verónique Holder: Wir greifen hier auf eine Partnerschaft mit dem Psychologen-Team des luxemburgischen Zivilschutzes zurück. Unmittelbar nach dem Unfall wurde direkt vor Ort eine psychologische Betreuung sichergestellt. Am selben Tag richteten die CFL auch auf dem Bahnhof Luxemburg eine Anlaufstelle ein, die für alle Angestellten des Bahnbetreibers erreichbar ist.

Wie wurde der Tod des Lokführers kommuniziert?
Da in solchen Fällen die Identität des Opfers sehr schnell von der Presse veröffentlicht wird, haben sich ein leitender Angestellter und einer unserer Psychologen so schnell wie möglich zu der Familie begeben, um ihnen die traurige Neuigkeit zu überbringen. Die Mitarbeiter der CFL wurden durch ein internes Schreiben informiert, das auf auf die Möglichkeit psychologischer Betreuung hinwies. Aber es ist klar, dass viele durch die Zeitung vom Tod ihres Kollegen erfahren haben.

Sind seit dem Unfall viele Mitarbeiter zu Ihnen gekommen?
Nicht unbedingt am selben Tag. Das kam später. Die Menschen kommen nach und nach. Bisher sind es zwischen zehn und zwanzig. Es sind vor allem Leute, die das Opfer gut kannten. Sie kommen, um von ihrer Traurigkeit zu reden, von ihrer Trauer nach dem Tod ihres Kollegen. Was auch stark ist, ist das Bedürfnis zu verstehen. Die Lokführer wollen wissen, was wirklich bei dem Unfall passierte. Ich spüre ein starkes Bedürfnis nach Unterstützung und Mitgefühl. Und einige erinnert dieses Unglück an jenes vor zehn Jahren an derselben Stelle. Das reißt alte Wunden neu auf.

Haben einige Mitarbeiter darum gebeten, nach dem Unfall nicht zu arbeiten?
Ein paar. Weil die Traurigkeit zu groß ist, weil sie sich ausruhen wollen, weil sie Angst haben. Da mit der Sicherheit nicht gespielt wird, werden alle Anfragen akzeptiert. Die psychologische Abteilung der CFL, zu der ich gehöre, kümmert sich ebenfalls um die Weiterbildungen der Angestellten. Sie erhalten alle eine Ausbildung über die potenziellen Risiken im Job. Und wenn es einem Mitarbeiter nicht gut geht, dann sagt er es. Meine Gespräche sind vertraulich und seitdem ich 2002 zur CFL gekommen bin, habe ich noch nie die Direktion alarmieren müssen. Es gibt hier eine sehr starke Sicherheitskultur.

Sind die Lokführer speziell im Visier dieser psychologischen Betreuung?

Sie können Angst haben, durch die Unglücksstelle zu fahren. Die Fahrer, die es wünschen, werden momentan von «mitarbeiternahen Managern» begleitet. Eine Maßnahme, die solange angeboten wird, wie es nötig ist. Der Manager ist da, um dem Fahrer Sicherheit zu geben, ihn wenn nötig zu beruhigen. Wir haben gut 15 Coaches und sie wurden alle von unserer Abteilung ausgebildet, um einschreiten zu können und ihre Mitarbeiter begleiten zu können. Sie kennen die Fahrer gut, ihre Anwesenheit ist deshalb wirklich beruhigend.

(Fatima Rougi/L'essentiel)

Bahnverkehr noch nicht im Vollbetrieb

Nach der tödlichen Zugkollision bei Düdelingen schickt die französische Eisenbahn SNCF am Montag, 27. Februar, erstmals wieder Züge im Werktagsbetrieb nach Luxemburg. Auf der Bahnstrecke zwischen Metz-Thionville-Luxemburg werden somit 44 von 56 Verbindungen stattfinden können, hieß es am Sonntag.

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