Handelskammer-Bilanz – Luxemburg hat die Krise prächtig weggesteckt

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Handelskammer-BilanzLuxemburg hat die Krise prächtig weggesteckt

LUXEMBURG - Luxemburgs Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent. Auch die Aussichten sind gut. Dennoch warnt die Handelskammer eindringlich.

Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, hat am Donnerstag das Jahr 2015 bilanziert.

Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, hat am Donnerstag das Jahr 2015 bilanziert.

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«Die Sterne stehen gut für Luxemburg», erklärt Carlo Thelen mit einem zufriedenen Lächeln: «Dabei dürfen wir aber nicht die Risiken übersehen, die unserer Wirtschaft drohen.» Der Generaldirektor der Handelskammer präsentierte am Donnerstag die Jahresbilanz 2015. Demnach wuchs die Wirtschaft zum zweiten Mal in Folge, im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent (2014: 4,1 Prozent). Werte, die dreimal so hoch sind wie der Schnitt der Euro-Länder. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt habe nahezu Vorkrisenniveau erreicht. Die Prognosen fallen etwas gedämpfter aus. Im laufenden Jahr wird mit einem Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent gerechnet, für 2017 mit 4,4 Prozent.

Luxemburgs Wirtschaft hat die dreifache Belastung (Einnahmeverlust aus E-Commerce, TVA-Erhöhung und automatischer Informationsaustausch) entgegen mancher Horrorszenarien gut weggesteckt. Dies sei laut Thelen den hiesigen Unternehmen zu verdanken, die weiter investiert hätten und Luxemburg zum Innovations-Standpunkt gemacht hätten.

«Wir müssen einiges in Frage stellen»

Um die gute Entwicklung nicht zu bremsen, dürfe die Politik jetzt nicht nachgiebig werden. Die von der Regierung geplante Steuerreform und der Standpunkt zum Thema Arbeitszeitflexibilisierung seien «im Interesse des einzelnen Wählers, aber genügt nicht den Bedürfnissen der Unternehmen», so Thelen. Es existiere keine Langzeitplanung, «und Luxemburg hat nicht die Reserven, um eine zweite Krise wie 2008 zu bestehen. Die hat kein Land.»

Und kann Luxemburgs Wirtschaft sich unter den gegebenen Umständen weiter im Sinne der Handelskammer entwickeln? «Wir müssen einiges in Frage stellen. Die Überlegungen über die dritte industrielle Revolution und die Digitalisierung gehen in die richtige Richtung. Wir müssen uns aber fragen, ob wir unter diesen Umständen ein Land mit einer Million Menschen sein wollen. Ist es das, was die Bevölkerung will oder müssen wir unser Model überdenken?»

(sg/pw/L'essentiel)

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