Drogen im Bahnhofsviertel – «Luxemburg ist die Drogenbörse der Großregion»

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Drogen im Bahnhofsviertel«Luxemburg ist die Drogenbörse der Großregion»

LUXEMBURG STADT – Ein Kampf gegen Windmühlen: René Lindenlaub, Chef der Hauptstadtpolizei, erklärt den schwierigen Kampf der Behörden gegen die Drogenkriminalität.

Das Bahnhofsviertel der Hauptstadt am vergangenen Donnerstag. 15 Polizisten und Beamte der Hundestaffel streifen durch die Straßen um die Station, filzen Verdächtige, zeigen Präsenz. Aber die Ausbeute der Aktion ist eher mager: Ein paar Gramm Marihuana stellen die Beamten sicher. Anwohner und Politiker beschweren sich: Die Polizei zeige zu wenig Präsenz, die Drogenkriminalität nehme überhand. Der Polizeichef der Stadt Luxemburg, René Lindenlaub, bezieht in L’essentiel Stellung.

«Das Problem ist, dass die Stadt ein Knotenpunkt ist», sagt Lindenlaub. Ein Umschlagplatz, der vor allem durch die Menschenmassen am Bahnhof befeuert wird. «Das Bahnhofsviertel ist die Drogenbörse der Großregion», erklärt der Polizeichef. Konsumenten aus Deutschland, Frankreich und Belgien kämen in die luxemburgische Hauptstadt, um sich mit illegalen Substanzen einzudecken. Und das mache die Arbeit nicht einfach. «Ich erdreiste mich nicht, eine Wunderwaffe gegen eine überregionale Drogenproblematik zu liefern», sagt Lindenlaub.

«Die Menschen im Bahnhofsviertel haben unser volles Verständnis», sagt der Polizeichef. «Aber es gibt dafür keine kurzfristige Lösung.» Die Drogenkriminalität würde in Wellen über Luxemburg schwappen. Vor zehn Jahren sei die letzte große Flut abgeebbt – unter anderem wegen vieler Verhaftungen. Seit drei Jahren rolle nun die nächste über das Bahnhofsviertel. Die Drogen seien sichtbarer als noch vor ein paar Jahren. «Die Leute im Viertel haben Recht – sie wollen nicht in einem Stadtteil mit Drogen und Spritzen leben», sagt der Polizeichef. «Und das ist der Polizei alles andere alles egal.»

«Kampf gegen Windmühlen»

Lindenlaub beschreibt die Polizeiarbeit am Bahnhof als «Kampf gegen Windmühlen». «Wir verhaften heute zwei Dealer und morgen sind fünf neue da», sagt er. Dabei würden die, die erwischt werden, nicht einmal sanft bestraft: «Mit größeren Mengen landen sie bis zu fünf Jahre im Gefängnis.» Aber: «Es gibt einen stetigen Fluss von neuen Leuten.» Selbst die große Razzia der Kriminalpolizei in Wasserbillig, bei der im vergangenen Jahr 30 Dealer verhaftet worden waren, habe sich auf dem Markt in der Stadt nur kurzfristig ausgewirkt.

Dennoch: Im Kampf gegen illegale Substanzen soll jetzt stärker durchgegriffen werden. Die Besatzung der Wache am Bahnhof wurde bereits Anfang des Jahres auf 40 Beamte erhöht, im Sommer sollen einige von ihnen zudem wieder die Dienststelle in der Rue Glesener beziehen, die im März 2015 geschlossen wurde. Zudem soll laut Lindenlaub noch mehr Präsenz auf der Straße gezeigt werden, Razzien forciert werden, Druck auf Café-Besitzer ausgeübt werden, die das Gebaren der Drogenhändler tolerieren oder davon sogar profitieren. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft und dem Wirtschaftsministerium sollen neue Strategien entwickelt werden. Aber, sagt der Polizeichef: «Das heißt nicht, dass über Nacht keine Dealer mehr da sein werden.»

(Tobias Senzig/L'essentiel)

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