Blockiertes Rettungsschiff – Luxemburg nimmt Migranten von der «Lifeline» auf

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Blockiertes RettungsschiffLuxemburg nimmt Migranten von der «Lifeline» auf

LUXEMBURG - Das Rettungsschiff «Lifeline» trieb seit Tagen im Mittelmeer umher. Nun öffnete Malta seinen Hafen – acht Länder boten den Flüchtlingen ihre Hilfe an.

Die Passagiere der «Lifeline» werden am Mittwochabend im Hafen von Valletta einer medizinischen Kontrolle unterzogen.

Die Passagiere der «Lifeline» werden am Mittwochabend im Hafen von Valletta einer medizinischen Kontrolle unterzogen.

AFP/Matthew Mirabelli

Luxemburg hat sich bereit erklärt, 15 Flüchtlinge aufzunehmen, die sich seit Donnerstag auf dem im Mittelmeer blockierten Rettungsschiff «Lifeline» aufhalten. «Als Akt der Menschlichkeit und Solidarität», wie Premierminister Xavier Bettel auf Twitter erklärte. Das Boot mit etwa 230 Migranten an Bord legte am Mittwochabend in Malta an und soll danach beschlagnahmt werden. Gegen die Besatzung der deutschen Hilfsorganisation werde zudem ermittelt.

Bei der Einfahrt in den Hafen winkten die Menschen an Bord. Ärzte und Polizisten warteten hinter Absperrungen am Festland. Vier Menschen, darunter drei Babys, sollen sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Allerdings wurden die Retter und Migranten nicht von allen Willkommen geheißen. Offensichtlich rechte Aktivisten rollten einen Banner mit der Aufschrift «Stop Menschenschmuggel» aus.

Schiff wird festgesetzt

«Dieses Schiff war staatenlos, es wird festgesetzt», hatte zuvor Maltas Premier Joseph Muscat erklärt. «Das ist keine Blaupause für die Rettung von Migranten.» Vielmehr sei ein System notwendig, um Wirtschaftsflüchtlinge so schnell wie möglich zurückschicken zu können. Wenn Malta in rechtlichen Kategorien entscheiden würde, müsste das Anlegen des Schiffes abgelehnt werden.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer hatte als Bedingungen für eine mögliche Aufnahme von Flüchtlingen der «Lifeline» in Deutschland gesagt, eine Voraussetzung sei, dass das Schiff festgesetzt werde.

Das Schiff fährt nach Angaben der Dresdener Hilfsorganisation Mission Lifeline unter niederländischer Flagge, was die dortigen Behörden aber bestreiten. Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte die «Lifeline» als «gesetzloses Schiff» bezeichnet.

Neben Luxemburg haben bisher sieben weitere EU-Länder zugesagt, die aus Seenot im Mittelmeer geretteten Migranten an Bord aufzunehmen. Darunter befänden sich Frankreich, Italien, Irland, Malta, Portugal, die Niederlande und Belgien. Auch mehrere deutsche Bundesländer wollen Migranten von der «Lifeline» aufnehmen.

(L'essentiel/dpa)

Kritik aus Paris an «Lifeline»-Mission

In der Krise um das Rettungsschiff «Lifeline» im Mittelmeer kritisiert Paris die verantwortliche Hilfsorganisation Mission Lifeline aus Deutschland. Es gebe «offenkundige Elemente von Illegalität beim Verhalten der Nichtregierungsorganisation», hieß es am Mittwoch aus Kreisen des Élyséepalasts. Regierungssprecher Benjamin Griveaux kritisierte die «Gefährdung und die Verletzung des Seerechts durch das Schiff ‹Lifeline›».

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