«Eine Katastrophe» – Luxemburg: Nur drei Organspenden 2015

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«Eine Katastrophe»Luxemburg: Nur drei Organspenden 2015

LUXEMBURG – Das Großherzogtum braucht dringend mehr Organspender. Der Verein Protransplant.lu schlägt Alarm und erklärt, was verbessert werden muss.

Der Ausweis des Lebens zeigt, dass man Organspender ist.

Der Ausweis des Lebens zeigt, dass man Organspender ist.

In Luxemburg kam es letztes Jahr zu drei Organspenden. Nur drei. Innerhalb eines ganzen Jahres.

Das Großherzogtum ist damit im internationalen Vergleich auf dem letzten Platz der Organspender, weit hinter Kroatien (37.6) und Belgien (28). Die Luxemburger Zahl ist «eine Katastrophe», findet auch Jos Bourg, Vorsitzender des Vereins Protransplant. Schuld daran ist für ihn die Tatsache, dass «das Gesetz einfach nicht vollstreckt wird».

Das 1982 in Kraft getretene Gesetz bestimmt, dass Organe «aus therapeutischen Gründen oder zu Forschungszwecken von einer Leiche entnommen werden können, wenn diese Person zu Lebzeiten nicht schriftlich ihre Verweigerung hinterlegt hat». «Jeder Mensch ist somit automatische Organspender», betont Jos Bourg. Aber in der Realität wenden sich die Ärzte an die Hinterbliebenen, welche «unter diesen Umständen unfähig sind, eine solche Entscheidung zu treffen».

«Luxemburg kann sich bei Belgien bedanken»

Die Organisation Eurostransplant, die die Organspenden in sieben Ländern koordiniert, lässt Gerechtigkeit walten: Je mehr Spender ein Land hat, desto mehr Organe bekommt es auch. Logischerweise müsste Luxemburg damit an allerletzter Stelle der Empfangsliste stehen. Doch dem ist nicht so – dank Belgien. Die beiden Länder werden zusammengerechnet, Luxemburg profitiert so von den guten Zahlen seines Nachbarn.

Laut Protransplant müsse noch sehr viel getan werden, um die Anzahl der Organspender zu erhöhen: Einführung einer Statistik zu Organspenden, einen für Organspenden verantwortlichen Arzt in jedem Krankenhaus sowie die Wiederaufnahme der Nierentransplantationen in Luxemburg. Bis vor ungefähr zehn Jahren fanden diese noch im Großherzogtum statt, fanden aber ein Ende, als der letzte spezialisierte Chirurg in Rente ging. Seitdem werden alle Erkrankten im Ausland behandelt.

(MC/L'essentiel)

Broschüren sollen zum Nachdenken anregen

Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, die Haltung zum Thema Organspenden zu ändern. 240.000 Broschüren werden deshalb am 17. Oktober, dem Welttag der Organspende, in den Briefkästen Luxemburgs landen. In der Broschüre befindet sich ein Organspenderausweis, sowie Berichte über die Bedeutung der Spenden. So erzählt zum Beispiel André die Geschichte seiner Tochter Christiane, die mit 24 unerwartet verstorben ist. «Sie hat das Leben von fünf anderen Menschen gerettet. Das ist genau das, was sie gewollt hätte».

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