Gesundheit – Luxemburg schluckt zu viele Antibiotika

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GesundheitLuxemburg schluckt zu viele Antibiotika

LUXEMBURG – Die alarmierende Entwicklung bei resistenten Keimen ruft die Regierung auf den Plan. Eine neue Kampagne soll einen sorgsameren Antibiotika-Gebrauch bewirken.

Agrar- und Gesundheitsministerium läuten die Alarmglocke bei Antibiotika-Resistenzen.

Agrar- und Gesundheitsministerium läuten die Alarmglocke bei Antibiotika-Resistenzen.

L'essentiel

In Luxemburg werden immer noch zu viele Antibiotika verbraucht (L'essentiel berichtete). Die Regierung will die Situation nun mit einem nationalen Antibiotika-Plan (Plan National Antibiotiques, PNA) in den Griff bekommen. Die Initiative, die bis 2022 ausgelegt ist, zielt darauf ab, die Verwendung von Antibiotika in der klassischen und Veterinärmedizin zu optimieren.

Gesundheitsministerin Lydie Mutsch hält den Wirkstoff nach wie vor für «revolutionär», allerdings stellt der unsachgemäße Antibiotika-Verbrauch ein große Gefahr dar (siehe Infobox). Jährlich werden in Luxemburg außerhalb der Krankenhäuser 3,9 Tonnen Antibiotika geschluckt – zu viel, laut Meinung vieler Experten.

Besser ausgebildete Fachkräfte

«Der massive Verbrauch von Antibiotika hat zu mehr Resistenzen geführt», heißt es in Unterlagen des Gesundheits- und Agrarministeriums. «Es gibt eine Vielzahl an Infektionen, die immer schwieriger zu behandeln sind. 25.000 Todesfälle jährlich in der EU stehen in Zusammenhang mit resistenten Bakterien. 1,5 Milliarden Euro beträgt die Höhe des jährlichen wirtschaftlichen Schadens.,

Die Antibiotikaresistenzen in Luxemburg bewegen sich im europäischen Durchschnitt. Der nationale Antibiotika-Verbrauch ist in den vergangenen zwei Jahren um sieben Prozent gesunken, die Zahl der Verschreibungen sank um zehn Prozent. In einem europäischen Ranking, das von den Ländern in Nordeurop angeführt wird, liegt das Großherzogtum auf Rang 7 von 30. Der PNA ruft Patienten zu einer «sorgsamen Einnahme» und Ärzte zu «begrenzten Verschreibungen» auf.

Bis 2022 soll mithilfe einer Informationskampagne noch stärker auf diese Ziele hingewiesen werden. Beschäftigte im Gesundheitswesen als auch in der Tiermedizin werden spezielle Schulungen erhalten. Zudem werden Daten zur ambulanten und stationären Nutzung von Antibiotika genau analysiert. Ein neues nationales Antibiotika-Komitee wird über die Implementierung und Einhaltung der Ziele wachen.

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

Falscher Gebrauch

Immer mehr Bakterien werden unempfindlich gegen Antibiotika. Schuld daran ist auch der massive Einsatz des Wirkstoffs in der Medizin und auch in der Nutztierhaltung. Die Entstehung von Resistenzen gegen Antibiotika kann für Menschen gefährlich werden: Die Regierung nennt «Organtransplantationen, Chemotherapie, intensivmedizinische und andere medizinische Eingriffe» als mögliche Konsequenzen.

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