Solarstrom – Luxemburg soll zum «Prosumer»-Land werden

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SolarstromLuxemburg soll zum «Prosumer»-Land werden

LUXEMBURG – Der Wirtschaftsminister hat am Donnerstag neue Maßnahmen zur Förderung von Sonnenenergie vorgestellt.

Privatleute werden in der Lage sein, die von ihm erzeugte Energie zu verbrauchen.

Privatleute werden in der Lage sein, die von ihm erzeugte Energie zu verbrauchen.

Wozu kaufen, wenn man es selbst herstellen kann? Was für Hobby-Gemüsezüchter oder -Obstbauern gilt, kann auch für Stromverbraucher ein brauchbares Rezept sein. In Luxemburg erzeugen viele Privatleute und öffentliche Einrichtungen ihre Energie nämlich zunehmend selber. Die Produktionsleistung für Photovoltaik stieg hierzulande zwischen 2011 und 2016 von 40 auf 120 Megawatt.

Bis 2020 hat sich Luxemburg das Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien auf elf Prozent zu steigern. Nun greift die Regierung zu neuen Fördermaßnahmen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Produktion von Sonnenenergie werden neu definiert – Wirtschaftsminister Étienne Schneider hat am Donnerstag einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt.

Produzenten sollen Energie selbst nutzen dürfen

Derzeit müssen die Besitzer von Photovoltaikmodulen den gesamten Strom, den sie erzeugen, an die Netzbetreiber weiterverkaufen. Dabei profitieren die Betreiber von Einspeisevergütungen, die höher sind, als wenn sie den Strom selbst kaufen müssten. Allerdings sind die Einspeisetarife zuletzt gesunken.

In Zukunft sollen Solarstrom-Erzeuger ihre Energie zum Teil selbst nutzen dürfen. Dasselbe gilt für den Strom, der innerhalb einer sogenannten «Communauté énergétique» erzeugt wird. Nachbarn oder Bewohner einer Straße können sich dabei als kleine Ökostrom-Gemeinschaft zusammenschließen. Für den Eigenverbrauchsanteil sind keine Steuern zu zahlen, auch der im Rahmen des Ausgleichsmechanismus erhobene Pflichtbeitrag («Contribution au mécanisme de compensation») entfällt.

Die Idee ist es, einen Rahmen zu schaffen, der dem Stromerzeuger bzw. -verbraucher folgende Berechnung ermöglicht: Er soll anhand der aktuellen Tarife selbst entscheiden können, ob es für ihn finanziell attraktiver ist, die Energie selbst zu verbrauchen oder sie weiterzuverkaufen. «Wir reden hier von der Idee des ‹Prosumer› (produzierende Verbraucher, Anm.), die auch in der Rifkin-Studie beschrieben wird», sagt Étienne Schneider. «Ziel ist es, ein intelligentes Stromnetz einzuführen.»

(Mathieu Vacon/L'essentiel)

Große Solarprojekte werden gefördert

Der Wirtschaftsminister kündigte am Donnerstag die erste staatliche Ausschreibung für die Errichtung von Photovoltaik-Großanlagen vor. Unternehmen und Privatpersonen haben bis zum 31. August die Möglichkeit, ein Projekt mit einer Mindestleistung von 500 Kilowatt einzureichen, das auf einem Industriegelände oder auf dem Dach eines Gebäudes errichtet werden muss. In der Ausschreibung wird auch die vorgesehene staatliche Beihilfe erwähnt, die dann innerhalb von 18 Monaten nach der Vergabe ausbezahlt wird.

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