Atomenergie: Luxemburg sorgt sich um die Sicherheit von Cattenom

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AtomenergieLuxemburg sorgt sich um die Sicherheit von Cattenom

LUXEMBURG/CATTENOM – Soll Cattenom geschlossen werden? Greenpeace warnt vor der Sicherheit der Anlagen, während die Regierung versucht, auf politischer Ebene zu handeln.

von
Thomas Holzer
Das Atomkraftwerk Cattenom befindet sich ganz in der Nähe der luxemburgischen Grenze.

Das Atomkraftwerk Cattenom befindet sich ganz in der Nähe der luxemburgischen Grenze.

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Ist die Sicherheit des Atomkraftwerks Cattenom gewährleistet? Erst kürzlich wurde bekannt, dass auch an Block 2, der beim Thema Spannungskorrosion bisher außen vor war, Rohrteile ausgetauscht werden. Greenpeace Luxemburg hat unterdessen vom Betreiber EDF (Electricité de France) Informationen zur Korrosion angefordert. Laut einer Inspektion der französischen Atomsicherheitsbehörde ASN, die von der luxemburgischen NGO weitergeleitet wurde, wurden die in Italien hergestellten Ersatzteile, die gegen diese Abnutzungserscheinung eingesetzt werden sollen, nicht ordnungsgemäß kontrolliert. Greenpeace befürchtet deshalb «das Risiko nicht konformer Teile».

«Konkret kann man nicht ausschließen, dass das Sicherheitssystem im Falle eines Atomunfalls nicht funktioniert», erklärt Roger Spautz, Kampagnenbeauftragter auf Anfrage von L'essentiel. Die luxemburgische Regierung teilt diese Befürchtungen. Das Energieministerium, das ebenfalls um Unterstützung gebeten wurde, verfolgt die Korrosionsprobleme der französischen Reaktoren und insbesondere der Reaktoren in Cattenom mit großer Aufmerksamkeit.

«Wunsch nach einer schnellen Schließung»

Energieminister Claude Turmes

Für den Minister Claude Turmes (Déi Gréng), der ein entschiedener Gegner des Kraftwerks an der luxemburgischen Grenze ist, verstärken die aktuellen Schwierigkeiten «den Wunsch nach einer schnellen Schließung.»

Anfang 2021 hatte Turmes seinen Wunsch geäußert, dass die Grünen im Nachbarland an die Macht kämen, damit Deutschland Druck auf Frankreich ausübe, um Cattenom schließen zu lassen, «wie sie es bei Fessenheim getan hatten.» Monate nach der Bildung der Ampel-Koalition, bestehend aus SPD, FDP und Grüne, hat der luxemburgische Minister seine Amtskollegin Steffi Lemke, die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, sowie deutsche Experten beim Vorgehen in dem von Korrosion betroffenen französischen Kraftwerk um Hilfe gebeten.

Claude Turmes ist ein entschiedener Gegner des Kraftwerks in Cattenom.

Claude Turmes ist ein entschiedener Gegner des Kraftwerks in Cattenom.

DR

Wird die Strategie des ehemaligen Europaabgeordneten aufgehen? Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich für eine «ehrgeizige und nachhaltige» Atompolitik ausgesprochen. «Das Akw Cattenom wurde für 40 Jahre ausgelegt, was eine Abschaltung im Jahr 2026 bedeuten würde», so Roger Spautz.

Technische Untersuchungen derzeit im Gange

Nach den Korrosionsproblemen befragt, bestätigte die EDF-Sprecherin, dass eine italienische Fabrik mit den Ersatzrohren beauftragt worden sei, und dass im November ein Brief an die ASN geschickt worden sei, nachdem Vorbehalte geäußert worden waren. «Die technische Untersuchung ist noch im Gange, und die Arbeiten werden fortgesetzt. Die seit über einem Jahr durchgeführten Gutachten und Analysen haben es ermöglicht, die Risiken zu identifizieren und das Wissen über das Thema zu erweitern.»

In Cattenom werden die Arbeiten am Block 3 fortgesetzt, wobei das Datum der Wiederaufnahme auf März 2023 festgelegt wurde. Die Arbeiten am Block 1, der sich derzeit in der Wiederanlaufphase befindet, wurden abgeschlossen, während am zweiten Reaktor präventive Auswechslungen vorgenommen werden.

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