Neue Arbeitswelt: Luxemburg stellt die 40-Stunden-Woche infrage
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Neue ArbeitsweltLuxemburg stellt die 40-Stunden-Woche infrage

LUXEMBURG – Ob für eine bessere Work-Life-Balance oder eine Steigerung der Attraktivität des Standorts Luxemburg: Die Frage der Wochenarbeitszeit spaltet auch die Regierungsparteien.

von
Nicolas Martin

Familienministerin Corinne Cahen (DP) und der Arbeitsminister Georges Engel (LSAP) haben am Donnerstag eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt, die eine bessere Vereinbarung von Beruf und Familie gewährleisten soll. Doch auch ohne Familie wächst in der Gesellschaft stetig der Wunsch nach mehr Zeit – für Familie, Freunde, Erholung oder Sport: eine bessere Work-Life-Balance. Und so ist es wenig verwunderlich, dass verschiedene Arbeitszeitmodelle diskutiert und somit auch die 40-Stunden-Woche infrage gestellt werden – auch wenn eine Reduzierung der gesetzlichen Arbeitszeit (40 Stunden pro Woche) nicht im Koalitionsvertrag steht.

Die beiden Minister machten keinen Hehl aus ihren Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage. Georges Engel erinnerte daran, dass die Regierung bereits einen freien Tag und einen Feiertag geschaffen hat, klar sei aber, dass das Land in Zukunft nicht darum herumkommen werde, die 40-Stunden-Woche zu diskutieren. «Wenn man ein attraktiver Arbeitsmarkt für die Großregion und andere Länder bleiben will, braucht man Trümpfe», sagte er. «Und wenn in den Nachbarländern viel weniger gearbeitet wird – was der Fall ist – wird man über alles diskutieren müssen».

Aufschluss soll nun eine Studie geben. «Sie wird die Vor- und Nachteile aufzeigen, dann können wir darüber diskutieren», sagte Goerges Engel. Er hofft, dass dies bis zum Ende der Legislaturperiode und damit noch vor den Wahlen 2023 der Fall sein wird. Bis dahin habe er als Minister «keine andere Wahl, als mich an das Koalitionsprogramm zu halten», sagt er. Dennoch sei er offen für Gespräche über flexiblere Modelle, «eine Verkürzung oder eine Neuorganisation der Arbeitszeit».

Arbeitszeit «im Sinne der Arbeitnehmer» flexibler gestalten

Als Familienministerin geht es Corinne Cahen vor allem um Letzteres: Eine Möglichkeit, die Arbeitszeit «im Sinne der Arbeitnehmer» flexibler zu gestalten. In den Raum stellte sie «das Zeitsparkonto ebenso wie die Möglichkeit, Zeiträume im Berufsleben zu wählen, in denen man mehr oder weniger arbeitet, oder seine Arbeitszeit dem Alter der Kinder anpassen kann». Bei einer Arbeitszeitverkürzung liefen vor allem Frauen Gefahr, ihre finanzielle Unabhängigkeit zu verlieren, sagte Cahen: «Es muss alles getan werden, damit auch junge, alleinstehende Mütter mit unterschiedlichen Arbeitszeiten sich organisieren können.» Schon der Elternurlaub «legt bereits nahe, weniger zu arbeiten, vier statt fünf Tage», sagt sie. Viele würden danach eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber treffen, um diesen Rhythmus beizubehalten.

Im Wettlauf um die Attraktivität muss sich Luxemburg jedoch auch mit Einschränkungen auseinandersetzen – gerade weil viele Arbeitnehmer aus der Großregion ins Großherzogtum pendeln. «Wir haben einen gesetzlichen und steuerlichen Rahmen», sagt Engel. Natürlich könne man beschließen, zwei Tage Telearbeit pro Woche zuzulassen. Wenn «die Arbeitnehmer aber unter die Besteuerung ihres Landes fallen, wird auch die Attraktivität der Telearbeit sinken», meint Georges Engel. Einen finanziellen Ausgleich seitens Luxemburg hält er zumindest für diskutabel, «aber es gibt auch für alles Grenzen», sagt er.

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