Sozialversicherung: Luxemburg tritt neuem Homeoffice-Abkommen bei

Aktualisiert

SozialversicherungLuxemburg tritt neuem Homeoffice-Abkommen bei

LUXEMBURG/GROSSREGION – Mehrere Länder wollen Grenzgängern weiterhin die Arbeit im Homeoffice erleichtern. Eine neue Rahmenvereinbarung sieht einen Zuständigkeitswechsel der Sozialversicherung erst ab der Hälfte der Arbeitszeit vor.

Miriam Meinecke
von
Miriam Meinecke
Noch bis 30. Juni gilt die Pandemie-Ausnahmereglung, die die Sozialversicherungsschwelle aussetzt.

Noch bis 30. Juni gilt die Pandemie-Ausnahmereglung, die die Sozialversicherungsschwelle aussetzt.

Pexels

Grenzgänger unterliegen Regelungen, die ihnen Homeoffice zwar nicht unmöglich machen, aber das Ausmaß erheblich einschränken – zumindest wenn sie nicht wollen, dass sich steuerlich oder sozialversicherungstechnisch für sie etwas ändert. Bezüglich der Sozialversicherung gilt noch bis zum 30. Juni eine Ausnahmeregelung aus Coronazeiten, die unbegrenztes Homeoffice ohne Zuständigkeitswechsel möglich macht. Die eigentliche Schwelle liegt bei 25 Prozent, die im Wohnsitzland gearbeitet werden können, ohne dass die Sozialversicherung dorthin wandert. Sozialminister Claude Haagen (LSAP) hatte zu Jahresbeginn angekündigt, diese bis Ende des Halbjahres deutlich anheben zu wollen.

Und er scheint Wort zu halten: Auf EU-Ebene ist mittlerweile ein neues, freiwilliges Rahmenabkommen verhandelt worden, dem Luxemburg beitreten will. Das Ministerium für soziale Sicherheit hat am Montag auf Nachfrage von L'essentiel angegeben, die Vereinbarung «in den nächsten Tagen» zu unterschreiben. Der Schwellenwert steigt damit künftig auf 50 Prozent. Das bedeutet: Sofern Wohn- und Arbeitgeberland die Vereinbarung unterzeichnet haben, verbleibt die Sozialversicherung im Land des Arbeitgebers, wenn der Betroffene weniger als die Hälfte der Gesamtarbeitszeit im Homeoffice arbeitet. Bei 230 jährlichen Arbeitstagen wären das im Schnitt etwas mehr als zwei Tage pro Woche.

Deutschland unterzeichnet, Frankreich noch offen

Mit Inkrafttreten zum 1. Juli hat bereits Deutschland unterzeichnet, auch die belgischen Nachbarn wollen bei der Neuerung mitgehen. Laut der Online-Seite, auf der Belgien als Dispositarstaat des Abkommens entsprechende News zur Verfügung stellt, haben bisher außerdem Tschechien, Schweiz und Liechtenstein ihre Teilnahme fix gemacht. Weitere neun Staaten wollen nach einer entsprechenden Pressemitteilung Liechtenteins beitreten: Österreich, Estland, Finnland, Ungarn, Irland, Litauen, Malta, Niederlande, Slowakei und Norwegen. Aus Paris gab es bisher noch keine offiziellen Informationen. Auf eine L'essentiel-Anfrage bei der zuständigen Sozialbehörde antwortete diese am Dienstag, dass die Diskussionen auf französischer Seite noch nicht abgeschlossen seien.

Arbeitest Du im Homeoffice?

Wichtig ist: Die bilateral verhandelten Grenzwerte, die hinsichtlich des Besteuerungsrechts gelten, haben mit der Vereinbarung nichts zu tun und bestehen weiterhin. Außerdem ist die neue Vereinbarung wie die Corona-Regelung eine Ausnahme von der bestehenden 25-Prozent-Verordnung der EU. Die Anwendung der 50-Prozent-Schwelle muss daher für jeden Arbeitnehmer beantragt werden, ansonsten wechselt die Zuständigkeit wie vor der Pandemie üblich.

«Wenn ein Grenzgänger in seinem Wohnland mehr als 25 Prozent seiner Arbeitszeit arbeitet, muss vom Arbeitgeber der Antrag an die Zentralstelle der Sozialversicherungen (CCSS) gestellt werden», erklärt das Sozialministerium. Bis zum 30. Juni 2024 können Anträge demnach auf ein Jahr rückwirkend gestellt werden. «Ausführliche Informationen zu den Verfahren werden zu gegebener Zeit folgen», so das Ministerium.

Wie funktioniert das neue Rahmenabkommen?

Update 6. Mai, 17.20 Uhr: Das Ministerium für soziale Sicherheit hat bekanntgegeben, dass Minister Claude Haagen die Vereinbarung mit Gültigkeit ab 1. Juli und für die Dauer von fünf Jahren unterzeichnet hat.

Claude Haagen, ministre de la Sécurité sociale

LSAP-Minister Claude Haagen bei der Unterzeichnung der Vereinbarung.

MSS

Deine Meinung

0 Kommentare