Wirtschaftsmission: Luxemburg und Südkorea soll mehr als Kriegsgeschichte verbinden

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WirtschaftsmissionLuxemburg und Südkorea soll mehr als Kriegsgeschichte verbinden

SEOUL/LUXEMBURG – Vertreter aus Luxemburgs Wirtschaft und Politik sind am Samstag vom Findel aus nach Ostasien aufgebrochen. Bis Mittwoch sollen in Seoul unter dem Vorsitz von Erbgroßherzog Guillaume Verbindungen geknüpft werden.

von
Miriam Meinecke
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Die Wirtschaftsdelegation hat am Sonntag den Palast Gyeongbokgung in Seoul besichtigt. Mit dabei: Erbgroßherzog Guillaume und Wirtschaftsminister Franz Fayot.

Die Wirtschaftsdelegation hat am Sonntag den Palast Gyeongbokgung in Seoul besichtigt. Mit dabei: Erbgroßherzog Guillaume und Wirtschaftsminister Franz Fayot.

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Wer sich noch nie damit beschäftigt hat, könnte meinen, Luxemburg und die Republik Korea hätten kaum etwas gemein. Dass dem wohl nicht wirklich so ist, zeigt sich nicht nur an langen Autoschlangen in Richtung Hauptstadt, oder einer – zumindest im Norden Südkoreas – ziemlich ähnlichen Vegetation. Auch wirtschaftlich stehen sich die beiden Länder nahe, wie auf der aktuellen Wirtschaftsmission deutlich gemacht wird: Vom heutigen Sonntag bis Mittwoch findet unter dem Vorsitz von Erbgroßherzog Guillaume und der Leitung von Wirtschaftsminister Franz Fayot (LSAP) die erste Mission dieser Art in ein asiatisches Land seit der Pandemie statt.

Es ist nach 2014 und 2019 die dritte Mission nach Korea, die anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen der beiden Nationen geplant wurde. Dass ausgerechnet hierher die Beziehungen so gepflegt werden, ist laut Fayot kein Zufall: «Globalisation among friends» nannte er in der Pressekonferenz in Soul am Sonntag als Stichwort. Nicht nur sei Korea demokratisch und pflege Multilateralismus, auch sei das Land in den Außenbeziehungen ein respektvoller Partner. Die gemeinsame Geschichte geht weit zurück. Luxemburg hat das Land als eine von 16 Nationen auf der ersten UN-Mission im Koreakrieg (1950 bis 1953) unterstützt, seitdem herrscht nach Angaben des Wirtschaftsministers ein Band zwischen den beiden Ländern. 85 Soldaten hatten sich damals gemeldet, zwei davon fielen im Krieg – sieben luxemburgische Veteranen sind heute noch am Leben.

Carlo Thelen, Direktor der Handelskammer, erklärte im Gespräch mit L'essentiel bereits im Vorfeld der Mission: «Forschung und Innovation ist beiden Ländern sehr wichtig». Das besondere an Südkorea sei, dass das Land mit fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts vergleichsweise viel in diese Bereiche sowie Ausbildung investiert. «Daher sind sie hier auch so stark», so Thelen. Daraus resultieren die diesmaligen Missionsschwerpunkte: Smart City und Smart Mobility, Space und Clean Tech – im Zusammenhang mit Start-Ups.

Tore zu den Märkten

Von der Schwerindustrie kommend, setzen beide Länder seit ihrem Strukturwandel auf diese Zukunftstechnologien, die nach Ansicht der Beteiligten großes Entwicklungspotenzial bieten. Nicht zuletzt, um die Wirtschaft breiter aufzustellen: In Luxemburg weg von der Dominanz des Finanzmarktes, in Südkorea weg von der Übermacht der großen Familienkonglomerate wie Samsung oder Hyundai, den sogenannten Chaebols. Das lässt Neugründungen an Bedeutung gewinnen.

Der eigene Standort soll als Tor zum Markt des jeweiligen Kontinents verstanden werden, das Meet-and-Greet verschiedener Wirtschafstakteure neue Investitionsmöglichkeiten beider Seiten eröffnen und Talente angelockt und bestenfalls gehalten werden. Nach Angaben Fayots liegt Korea bei Luxemburgs Exporten auf dem 26. Platz, bei den Importen auf dem 23. «Da ist noch Luft nach oben», sagte er, zumal Korea auf dem zehnten Platz der größten Volkswirtschaften der Welt gehört.

Geplant für die kommenden Tage ist, dass LuxInnovation und das koreanische Pendant KAIST (Korea Advanced Institute of Science & Technology) eine Absichtserklärung zur engeren Kooperation bezüglich der Start-Up-Förderung unterzeichnen. Außerdem geht es für die Delegation zum Korea Space Forum. Im Bereich Raumfahrt gibt es laut der Luxembourg Space Agency bisher kaum Kooperationen. Auch hier ist eine entsprechende Absichtserklärung vorgesehen. Mit dem Korea Aerospace Research Institute beispielsweise soll eine mögliche gemeinsame Nutzung von Weltraumressourcen angegangen werden. Außerdem steht die Besichtigung des neuen Rotarex-Werkes in Asan auf dem Programm, das innerhalb rund eines Jahres von Planung bis Inbetriebnahme im Oktober aus dem Boden gestampft wurde, mit «100 Prozent luxemburgischen Kapital», wie Fayot sagte.

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