Coronavirus in LuxemburgLuxemburg verfolgt das Thema Chloroquin genau
LUXEMBURG – Ein Mittel, das bislang vor allem gegen Malaria eingesetzt worden ist, wirkt offenbar auch bei Covid-19. Die Gesundheitsministerin verfolgt die Entwicklung.

Überall auf der Welt wird fieberhaft nach einem Mittel gegen das Coronavirus geforscht.
AFPAuch wenn viele pharmazeutische Unternehmen derzeit an einem Impfstoff arbeiten, wurde noch keine Waffe gegen das Coronavirus gefunden. Die Antwort auf das derzeit akuteste Problem der Menschen könnte das bislang vor allem als Malariamittel bekannte Medikament namens Chloroquin sein. Oder das inzwischen deutlich weiter verbreitete und noch besser verträgliche Hydroxychloroquin.
Dieser Überzeugung ist jedenfalls Dr. Didier Raoult, Direktor des Infektionsinstituts in Marseille und Mitglied des wissenschaftlichen Rates in Frankreich. Am Montag präsentierte der französische Arzt Ergebnisse, die vom französischen Gesundheitsministerium als «sehr vielversprechend» eingestuft wurden. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn soll seinem Land bereits große Mengen des Wirkstoffs gesichert haben.
In Frankreich waren drei Viertel von 24 Patienten, die Hydrochloroquin erhielten, nach sechs Tagen geheilt. In Kombination mit einem Antibiotikum zur Behandlung der Lungenentzündung sei die Behandlung noch wirksamer, insbesondere bei schweren Fällen. Spektakuläre Ergebnisse, die das Interesse der Ärzte in Luxemburg geweckt haben. «Ich habe volles Vertrauen, dass Dr. Raoults Ergebnisse stimmen», sagt ein im Großherzogtum ansässiger Allgemeinmediziner.
Gesundheitsministerin verfolgt die Entwicklung
Der Luxemburger Arzt bedauerte jedoch die Skepsis, auf die die Studie des Arztes aus Marseille im Großherzogtum stößt: «Ich habe das CHL darüber informiert. Sie wollten nichts davon wissen. In Luxemburg neigen wir dazu, nur zu reagieren. Wir werden es erst versuchen, wenn es unsere Nachbarländer bereits getan haben.»
Die WHO hat Chloroquin in ihr Programm für klinische Studien aufgenommen, die USA hat den Einsatz am Donnerstag genehmigt. Auf Nachfrage von L'essentiel sagte Gesundheitsministerin Paulette Lenert am Donnerstag, dass sie diese Entwicklung mit großem Interesse verfolge.
Eine gewisse Vorsicht ist nach wie vor angebracht. Allein schon deshalb, weil die Tests von Dr. Raoult an einer sehr kleinen Gruppe durchgeführt wurden. Eine Studie aus China, die an einer etwas größeren Gruppe durchgeführt wurde, kam zu demselben Ergebniss. Chloroquin kann, insbesondere bei Überdosierung, viele Nebenwirkungen haben.
(th/L'essentiel)