Ärztepfusch – Luxemburger Arzt droht Gefängnisstrafe

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ÄrztepfuschLuxemburger Arzt droht Gefängnisstrafe

LUXEMBURG/INNSBRUCK - Die dreijährige Azra starb 2011 an einer Überdosis Propofol. Drei Mediziner müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Den drei Ärzten drohen wegen der mutmaßlichen fahrlässigen Tötung eines kleinen Mädchens mehrjährige Gefängnisstrafen.

Den drei Ärzten drohen wegen der mutmaßlichen fahrlässigen Tötung eines kleinen Mädchens mehrjährige Gefängnisstrafen.

DPA

Drei Ärzte der Universitäts-Kinderklinik Innsbruck, darunter ein Mediziner aus Luxemburg, stehen seit Montag in Österreich wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen vor Gericht. Allen dreien drohen jeweils drei Jahre Gefängnis. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die Ärzte sollen der kleinen Azra im Herbst 2011 eine Überdosis des Narkosemittels Propofols verabreicht haben. Das dreijährige Mädchen starb.

Azra hatte zuvor Superkleber geschluckt und war danach auf die Intensivstation gekommen. Das Mädchen wurde künstlich beatmet und dann mit Propofol 46 Stunden lang in Tiefschlaf versetzt - laut Gutachtern eine klare Überdosierung. Das Mädchen sei zudem nicht ausreichend überwacht worden.

Der angeklagte 41-jährige Facharzt für Pädiatrie bekannte sich vor Gericht nicht schuldig. Der gebürtige Luxemburger sagte, dass es zwischen dem HNO-Arzt und Anästhesiologin Meinungsverschiedenheiten über den Eingriff gegeben habe. Seine Aufgabe sei lediglich gewesen, das Kind im Tiefschlaf zu halten. «Weil das Kind langsam aufzuwachen drohte, erhöhte ich die Dosis im Laufe des Tages», gab der Arzt zu Protokoll

Die Anwälte der Mediziner argumentieren, dass die Sedierung mit Propofol die «bestmögliche Behandlung» gewesen sei. Das Risiko eines Propofol-Infusionssyndrom (PRIS), an dem das Mädchen gestorben sei, liege bei eins zu einer Million.

Ein Urteil soll am Mittwoch fallen.

(L'essentiel/jt)

Propofol

Propofol ist spätestens seit dem Tod von Michael Jackson vor fünf Jahren international berüchtigt. Auch der Sänger starb damals an einer Überdosis des Narkosemittels. Der Wirkstoff Propofol wird unter verschiedenen Markennamen millionenfach bei Untersuchungen oder Operationen verwendet.

Eine Überdosierung kann zu Herzversagen und Atemstillstand führen. Propofol darf nur von anästhesiologisch oder intensivmedizinisch ausgebildeten Ärzten verabreicht werden. Die Herz-, Kreislauf- und Atemfunktion muss regelmäßig überwacht werden. Geräte zur Freihaltung der Atemwege des Patienten, zur Beatmung und zur Wiederbelebung sollten jederzeit verfügbar sein.

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