In Griechenland – Luxemburger engagieren sich für Flüchtlinge
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In GriechenlandLuxemburger engagieren sich für Flüchtlinge

LUXEMBURG - Drei Freiwillige aus Luxemburg der Organisation «Catch a Smile» erzählen «L'essentiel» von ihren Erfahrungen in Griechenland.

Elf Luxemburger Freiwillige von «Catch a Smile» sind momentan in Griechenland im Einsatz. Sechs von ihnen kümmern sich in Chios um Flüchtlinge, fünf in Thessaloniki.

Die 24-jährige Line ist schon zum vierten Mal in Griechenland. Sie hilft im Thessaloniki Team. «Es war mir unheimlich wichtig, aktiv mithelfen zu können», erzählt sie L'essentiel. «Ich studiere noch, deshalb engagiere ich mich entweder in meinen Semesterferien oder nehme mir, wenn ich es mir erlauben kann, schon ein paar Tage vorher frei.» Viel schockiere sie aber nicht mehr, denn «nach viermal hat man schon viel gesehen.» Trotzdem mache die Not der Menschen, die sie dort sehe, die Rückkehr ins normale Leben schwer.

Schulfrei für Hilfe

Maxime ist 19 Jahre und noch Schüler an der École Privée Fieldgen: «Ich wurde von meiner Direktorin extra in der Woche vor den Herbstferien freigestellt, damit ich hier zwei Wochen mithelfen kann.» Sie empfand es als «Pflicht – nicht einfach nur Motivation – hier zu helfen». Am stärksten beeindrucken sie die anderen Freiwilligen. «Wir sind hier eine richtige Familie, auch wenn jeder seine Geschichte hat, die ihn dazu motiviert, zu helfen», erzählt sie. Dann ruft die Pflicht wieder.

Jo, die erst vor kurzem ihr Fachabitur gemacht hat, ist in Chios tätig und eine Langzeitfreiwillige. Sie engagiert sich während sechs Wochen als Lehrerin in einer Flüchtlingsschule unweit dem Camp in Vial. «Ich war nach dem Abschluss ziemlich verloren und wusste nicht, was ich jetzt tun sollte. Eigentlich hatte ich vor, ein Jahr lang zu reisen. Aber dann erschien mir hier zu helfen wichtiger», erklärt sie. «Aber das Engagement hat mir persönlich auch geholfen. Ich weiß jetzt, dass ich, wenn ich zuhause bin, Betreuerin werden möchte», führt sie weiter aus.

Streit auch unter Kindern

Jo hat auch die Aufstände in Vial in der letzten Woche miterlebt: «Ich habe zwar nichts direkt gesehen. Wir durften an dem Tag nicht ins Lager, um die Kinder zur Schule zu bringen. Und einige sind gar nicht aufgetaucht.» Das sei sehr ungewöhnlich, denn: «Viele der Kinder hatten nie die Chance zur Schule zu gehen und sind sogar so motiviert, dass sie viel zu früh zum Unterricht auftauchen.»

Den Frust und die Wut, die viele erwachsene Flüchtlinge mit sich tragen sowie die Spannungen untereinander erlebe sie aber auch bei Kindern. «Zwei von den Kleinen stritten sich einmal wegen irgendwas und einer hob einen Stein auf, um den anderen zu schlagen. Ich konnte gerade so noch dazwischen gehen. Das hat mich ziemlich schockiert», schließt Jo.

(Jessica Oe/L'essentiel)

Über die Organisation

«Catch a Smile» ist eine luxemburgische Assoziation, die sich seit November 2015 in Flüchtlingscamps auf dem Balkan und in Griechenland engagiert. Freiwillige bringen Spenden aus dem Großherzogtum zu den Camps und helfen dort bei der Verpflegung und Unterstützung der Asylsuchenden.

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