Schmutzige Mauern – Luxemburger Fassaden haben ein Algen-Problem

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Schmutzige MauernLuxemburger Fassaden haben ein Algen-Problem

LUXEMBURG – Mikroben fühlen sich auf gut gedämmten Außenmauern offenbar pudelwohl. Eine Expertin erklärt, wie sich die ungebetenen «Hausbesetzer» im Zaum halten lassen.

Es grünt so grün auf vielen Häuserfassaden in Luxemburg. Die modernen Wohnhaus-Würfel, die derzeit quer durchs Land errichtet werden, scheinen anfällig für unschöne Verschmutzungen zu sein. Woher kommen die grünen oder schwarzen Verfärbungen auf den Außenmauern?

Schuld sind Algen und Moose, erklärt Eva-Maria Lang, Bauexpertin in der Abteilung für Umwelt, Technologie und Innovation der Handwerkskammer. «Es sind verschiedene Faktoren, die ein Wachstum dieser Organismen begünstigen. Die Verfärbungen treten aber vor allem auf neueren Häusern auf, deren Fassaden mit energetisch hocheffizienten Wärmedämm-Verbundsystemen versehen sind», sagt Lang.

Spielwiese für Mikroorganismen

Weil diese energieeffizienten Häuser durch eine dicke Dämmschicht gut «eingepackt» sind, bleibt das Innere des Gebäudes wohlig warm, während die äußere Putzschicht abkühlt. Nach einer verregneten oder kalten Nacht kann es dann geschehen, dass Feuchtigkeit beziehungsweise Tauwasser an der Fassade «hängen» bleibt – und so mit der Zeit eine Spielwiese für Mikroorganismen entsteht.


Besonders feuchtigkeitsanfällig sind jene Fassaden, die zur Wetterseite, also nach Norden oder Westen, ausgerichtet sind. Durch die fehlende Sonneneinstrahlung kann der Putz nach Regen oder Kälte nicht ausreichend trocknen. Auch die Nähe zu Bäumen, Sträuchern und Wasserläufen sowie eine gute Luftqualität begünstigen den Algen-, Pilz- oder Moosbefall. Zudem fehlen bei modernen Wohnhäusern im Bauhaus-Stil häufig Vordächer oder Dachüberstände, die die Fassaden vor Nässe schützen könnten.

Wie hält man die Algen von der Mauer fern?

Wer ein Haus baut, sollte sich also bereits in der Planungsphase mit dem Architekten über den richtigen Feuchtigkeitsschutz für die Fassade unterhalten, rät Lang. Generell sind mineralische Außenputze weniger anfällig für Algen- und Moosbefall als organische. Am wirkungsvollsten (aber auch am teuersten) ist der Einsatz einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF), die das Trocknen der Fassade erleichtert.

Wirklich unterbinden lasse sich das Wachstum der Kleinstlebewesen, bei entsprechend ungünstigen Feuchtigkeitsbedingungen, aber nicht, meint die Expertin. Übrigens: Das eingesetzte Dämm-Material – ob Mineralwolle, Holzweichfaserplatten, Hanf oder Styropor – spielt bei der Bildung von Algen und Moosen keine Rolle.

Die gute Nachricht zum Schluss: Hässliche Flecken auf der Fassade sind zwar nicht schön anzusehen – eine Gesundheitsgefahr stellen die Algen allerdings nicht dar. Wer die ungewünschten «Mitbewohner» loswerden will, kann ein Fachunternehmen mit der Reinigung beauftragen – und so dem grünen Spuk auf der Fassade ein schnelles Ende bereiten.

So einfach machen Experten den Algen den Garaus:

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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