Mikrosatellit ESAIL – Luxemburger Satellit kämpft im All gegen Piraten

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Mikrosatellit ESAILLuxemburger Satellit kämpft im All gegen Piraten

LUXEMBURG – Die im Großherzogtum ansässige Firma LuxSpace hat einen Satelliten zusammengebaut, der nun die Erde in 515 Kilometern Höhe umkreist. Er erfüllt mehrere Aufgaben.

Erfolgreicher Start: Eine Rakete des Typs Vega hat in der vergangenen Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einen Satelliten ins All gebracht, der in Luxemburg zusammengebaut wurde und von nun an eine Vielzahl an Aufgaben erfüllen soll. Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana wurde der würfelförmige ESAIL-Satellit auf eine Erdumlaufbahn in 515 Kilometern Höhe geschossen.

Für die Endmontage des Satelliten zeichnet die Firma LuxSpace mit Sitz in Betzdorf verantwortlich. Der Betreiber des Satelliten ist das kanadische Unternehmen exactEarth, Auftraggeber die Europäische Raumfahrtbehörde Esa. Die einzelnen Komponenten des Satelliten wurden nicht nur von Unternehmen in Deutschland, Belgien und Frankreich entwickelt – sie stammen auch aus Luxemburg, genauer gesagt von der Firma EmTronix in Sassenheim.

« Wir hoffen, dass unser Satellit seine Aufgabe besser erledigt »

Im Großherzogtum haben insgesamt 20 Personen sechs Jahre lang an dem Satelitten gearbeitet – vom Beginn des Projekts bis zum Start in der vergangenen Woche. «Im Verhältnis zu anderen Esa-Projekten, die ein Gesamtbudget von 200-300 Millionen verschlingen können, ist unserer doch relativ klein. Wir liegen bei etwa einem Zehntel dieser Summen», sagt der Geschäftsführer von LuxSpace, Jochen Harms, in Gespräch mit L'essentiel.

Das Gerät dient der Überwachung des weltweiten Schiffsverkehrs. Dazu fängt er das «Automatic Identification System» (AIS), ein Funksystem, mit dem Schiffe untereinander kommunizieren ab. Er soll nicht nur Schiffe, die sich auf Kollisionskurs befinden, rechtzeitig warnen. Er kann auch dabei helfen, Umweltsünder rasch zu ermitteln, die das Meer mit Öl verseucht haben. Auch Fischerboote, die illegal unterwegs sind, oder Schiffe, die von Piraten entführt wurden, kann der Satellit aufspüren. Diese Art der Überwachung, fernab der Küsten, war vor dem Einsatz von Satelliten nicht möglich.

«Wir hoffen, dass unser Satellit seine Aufgabe besser erledigt, als seine Vorgänger. Er verfügt im Vergleich zu älteren Projekten über besonders empfindliche Sensoren und kann auch aus Bereichen empfangen, in denen es besonders viele Störsignale gibt», erklärt Harms. Eigentlich sollte der ESAIL-Satellit bereits im August 2019 seinen Dienst im All aufnehmen. Weil die Vega-Rakete, die ihn in die Umlaufbahn bringen sollte aber vor dem Start explodierte, sollte der «Liftoff» im März 2020 erfolgen. Die Corona-Pandemie und schlechtes Wetter sorgten dann aber dafür, dass sich die LuxSpace-Mitarbeiter noch bis zur vergangenen Woche gedulden mussten.

Mittlerweile zeigt der Satellit die Positionen der Schiffe an. Diese kann jeder auf der Website MarineTraffic abrufen.

(Sebastian Weisbrodt/L'essentiel)

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