OECD-Vergleich – Luxemburger Schüler hinken hinterher
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OECD-VergleichLuxemburger Schüler hinken hinterher

LUXEMBURG – Viele Sitzenbleiber und schlechte Erfolgsquoten der Schüler bestimmen das Bildungssystem in Luxemburg - trotz kleiner Klassen und guter Lehrerbezahlung.

Gute Lernbedingungen finden Schüler in Luxemburg vor. Dazu gehören besonders kleine Klassen.

Gute Lernbedingungen finden Schüler in Luxemburg vor. Dazu gehören besonders kleine Klassen.

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Viel länger als in anderen Ländern brauchen Schüler in Luxemburg, um zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen. Das geht aus einem Bildungsvergleich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit ihren 34 hochentwickelten Mitgliedsländern hervor. Die Daten aus Luxemburg beziehen sich auf das Schuljahr 2009/2010.

Sitzenbleiben ist demnach weiterhin sehr verbreitet in Luxemburg. Denn nicht einmal die Hälfte der Schüler macht ihren Abschluss in der Regelzeit (45 Prozent). Nur in Island schaffen noch weniger Schüler ihren Abschluss in dem vorgesehenen Zeitrahmen (44 Prozent). Schaut man sich den Schnitt der Vergleichsländer an, so legen 70 Prozent der Schüler in den OECD-Ländern ihren Abschluss nach der Regelzeit ab. Haben die Schüler bis zu zwei Ehrenrunden hingelegt, schaffen jedoch 74 Prozent den Abschluss. Im klassischen System legen 68 Prozent im ersten Anlauf das Premières Examen ab. Gesteht man den Schülern zwei Jahre mehr Zeit zu, liegt die Erfolgsquote insgesamt bei 92 Prozent.

Kleine Klassen

Dabei sind die Lernbedingungen an Luxemburger Schulen im internationalen Vergleich Spitze. So lernen die Schüler in besonders kleinen Klassen. Im Schnitt sitzen in einer Grundschulklasse 15,3 Kinder, im OECD-Schnitt sind es 21,3 Kinder. Auch im Lyzeum sind die Klassen deutlich kleiner als in den anderen Ländern: 19,3 Schüler lernen dort in derselben Klasse, das sind 4 weniger als im Schnitt aller hochentwickelten Länder.

Auch kümmern sich Lehrer im Vergleich um wenige Schüler: 10 Schüler teilen sich einen Lehrer in einer Grundschule in Luxemburg, im Schnitt der OECD-Länder sind es 6 Kinder mehr. Im Lyzeum kommt ein Lehrer auf 9,1 Schüler, im internationalen OECD-Schnitt sind es 13,8 Schüler für einen Lehrer.

Nirgendwo verdienen Lehrer so viel

Auch die Lehrer kommen gut weg. Nirgendwo verdienen sie so viel wie in Luxemburg. Gut 86 000 Euro pro Jahr verdient ein Lehrer mit 15 Jahren Berufserfahrung. Das ist fast dreimal so viel wie im Schnitt der OECD-Länder (gut 31 000 Euro). Gute Bezahlungen für Lehrer gibt es auch in der Schweiz und in Deutschland (52 000 Euro im Jahr). Besonders wenig verdienen Lehrer in Estland, aber auch in Ungarn und der Slowakei.

Dies gilt auch, wenn man die Bezahlung der Lehrer mit dem Verdienst von Beschäftigten mit einem gleichwertigen Hochschulabschluss vergleicht. Auch hier kommen die Lehrer in Luxemburg gut weg: Sie verdienen 1,24 Mal so viel wie ein Angestellter mit gleichwertigem Abschluss. Im OECD-Schnitt müssen Lehrer mit weniger Geld auskommen als Angestellte in einem vergleichbaren Beruf.

(sb/L'essentiel Online)

Bis zu ein Viertel des Unterrichts für Fremdsprachen

Das Lernen von Fremdsprachen nimmt in Luxemburg so viel Unterrichtszeit ein wie in keinem anderen OECD-Land. Gut ein Fünftel des Unterrichts für 9- bis 11-Jährige und bis zu einem Viertel für 12- bis 14-jährige Schüler nimmt das Lernen von Fremdsprachen ein.

Das ist absolute Spitze. In griechischen Schulen nimmt der Fremdsprachenunterricht 14 Prozent der Unterrichtszeit ein. Bei den direkten Nachbarn in Frankreich sind es 9 Prozent, in Belgien 7 Prozent.

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