Haaranalysen – Luxemburger sind vielen Schadstoffen ausgesetzt
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HaaranalysenLuxemburger sind vielen Schadstoffen ausgesetzt

LUXEMBURG – Wissenschaftler des LIH haben mit Hilfe von Haaranalysen herausgefunden, in welchem Umfang die Bevölkerung hierzulande verschiedenen Pestiziden ausgesetzt ist.

In allen Proben hat das LIH vier Pestizide nachgewiesen.

In allen Proben hat das LIH vier Pestizide nachgewiesen.

LIH

Bisher gibt es nur wenige Studien, die die Belastung der Bevölkerung mit Pestiziden untersucht haben. Doch am Mittwoch hat das Luxemburger Gesundheitsinstitut (LIH) eine konkrete Zahl präsentiert: Demnach hat jeder Einwohner Luxemburgs im Durchschnitt 19 Schadstoffe in seinen Haaren. In einer Studie untersuchten die Wissenschaftler die Konzentrationen von 34 persistenten, also langlebigen, und 33 nicht-persistenten Schadstoffen in Haarproben. Diese wurden in den Jahren 2007 und 2008 von 497 Erwachsenen genommen, die repräsentativ für die luxemburgische Bevölkerung sind.

«Die jüngere Industrie- und Produktionsgeschichte Luxemburgs sowie der Einsatz von Pestiziden, sowohl im landwirtschaftlichen als auch im nicht-landwirtschaftlichen Bereich bedeutet, dass die Bevölkerung einer Vielzahl von organischen Chemikalien ausgesetzt war und ist», stellt das Institut fest. Im Detail wiesen die Wissenschaftler insgesamt 24 persistente und 29 nicht-persistente Pestizide in den Haaren der Studienteilnehmer nach. Außerdem wurden 17 Schadstoffe in mehr als der Hälfte der Proben gefunden. Vier der Pestizide wurden demnach in allen Proben nachgewiesen – nämlich das Insektizid Lindan, das Pestizid Hexachlorbenzol, das Schädlingsbekämpfungsmittel p-Nitrophenol sowie das Herbizid Trifluralin.

Bis zu 36 Schadstoffe pro Person

«Jeder Teilnehmer hatte nachweisbare Werte von mindestens zehn der analysierten Chemikalien, bei manchen waren es sogar 36», sagt Dr. Feng-Jiao Peng, «also durchschnittlich 19 Pestizide pro Person». Dies deute auf eine gleichzeitige Belastung der Bevölkerung durch viele Schadstoffe hin, was eine sehr wertvolle Information bei der Betrachtung möglicher «Cocktail-Effekte» sei.

Die Produktion und Verwendung vieler dieser Pestizide wurde in den vergangenen Jahrzehnten in den meisten europäischen Ländern verboten, was bedeutet, dass die Studienpopulation von 2007 von 2008 weiterhin diesen Schadstoffen ausgesetzt war, trotz der Verbote. Dies sei nach Angaben des LIH auf verschiedene Faktoren, wie der Resistenz der Chemikalien in der Umwelt, ihrer allmählichen Freisetzung aus dem Boden und der Vegetation sowie ihrer Bioakkumulation in der Nahrungskette zurückzuführen. Der Verzehr von Lebensmitteln, die aus Drittländern mit weniger restriktiven Pestizidvorschriften importiert werden, könnte ebenfalls dazu beitragen.

Das Institut will mit den Studienergebnissen besser verstehen, wie sich eine chronische Belastung durch mehrere Schadstoffe auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. Die Ergebnisse der Studie sind im April in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift «Environment International» veröffentlicht worden.

(ol/L'essentiel )

Grund für die Haaranalyse

Das Institute of Health in Luxemburg (LIH) hat für seine Studie anstelle von traditionellen Blut- oder Urinproben gezielt die Haare der Probanden analysiert: «Haare geben Auskunft über die Belastung über mehrere Monate», erklärt Dr. Appenzeller. Im Gegensatz dazu würden herkömmliche Blut- und Urinproben nur Auskunft über die Belastung in den wenigen Stunden vor der Probenahme geben.

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