Saarland – Luxemburger Steuer-CD soll 35 Millionen bringen

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SaarlandLuxemburger Steuer-CD soll 35 Millionen bringen

LUXEMBURG – Nach dem Kauf einer Steuer-CD mit Kontendaten aus Luxemburg haben Fahnder an der Saar zugeschlagen - und stellen eine besondere «kriminelle Energie» fest.

Nach Auftauchen der Datensätze von der Luxemburger Filiale der HSBC lässt die Zahl der Selbstanzeigen beim deutschen Fiskus noch zu wünschen übrig.

Nach Auftauchen der Datensätze von der Luxemburger Filiale der HSBC lässt die Zahl der Selbstanzeigen beim deutschen Fiskus noch zu wünschen übrig.

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Nach der Auswertung einer CD mit Bankdaten aus Luxemburg haben saarländische Steuerfahnder begonnen, Wohnungen und Firmenräume mutmaßlicher Steuersünder zu durchsuchen. Am Freitag hätten acht Fahnder ein «Objekt» im Raum Merzig überprüft und größere Mengen Akten sichergestellt, berichtete Finanzstaatssekretär Gerhard Wack in Saarbrücken. Die Firma soll zwei Millionen Euro Schwarzgeld im Großherzogtum angelegt haben, wie der Saarländische Rundfunk berichtet. Gut 40 Saarländer sind durch die Daten-CD ins Visier der Steuerfahnder geraten. Darunter sei mindestens ein Dutzend «dicker Fische». Bei ihnen bestehe der Verdacht auf Steuerhinterziehung in Höhe von jeweils mindestens 100 000 Euro. In diesen Fällen könnten Razzien beantragt werden. Das Saarland erhofft sich Mehreinnahmen von 35 Millionen Euro.

Insgesamt 3000 Datensätze sollen sich auf der Steuer-CD befinden, die der das Land Nordrhein-Westfalen von der Luxemburger Filiale der Großbank HSBC erworben hat. In der vergangenen Woche hat es auch im Raum Trier bereits Durchsuchungen gegeben. Wie viele mögliche Steuerflüchtlinge sich in der gesamten Großregion verstecken, teilen die Behörden mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht mit. Auch ob es in der Grenzregion wegen der geografischen Nähe mehr mutmaßliche Steuerflüchtlinge gibt, als im Rest Deutschlands, ist nicht zu erfahren. «Dass es dort gravierend mehr Fälle gibt, ist uns nicht bekannt », heißt es bei der Pressestelle der Oberfinanzverwaltung in Koblenz, zuständig für das Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz auf Anfrage von L'essentiel Online.

Selbstanzeigen: «Run bleibt aus»

Von den Berichten über Steuer-CDs erhoffen sich die deutschen Behörden eine Flut von Selbstanzeigen. Dabei können Steuerflüchtlinge sich selbst beim Finanzamt anschwärzen und erhalten im Gegenzug eine Milderung ihrer Strafe. Doch die ersten Ergebnisse seit Bekanntwerden des CD-Kaufs am Donnerstag vergangener Woche sind eher enttäuschend: «Der große Run ist bisher ausgeblieben», heißt es bei der Oberfinanzverwaltung für Rheinland-Pfalz. «Aber wir erwarten einen deutlichen Anstieg. Das kann sich allerdings noch ein wenig hinziehen, denn die Betroffenen besprechen ihre Lage zunächst mit ihrem Steuerberater und müssen zudem Unterlagen bei ihren Banken anfordern.»

Der Einsatz zahlt sich für die Steuerbehörden aus. Bereits nach Auftauchen der Steuer-CDs aus der Schweiz und Liechtenstein im Februar 2010 hatte es eine Flut von Selbstanzeigen gegeben. Im Saarland haben die Steuer-CDs 32 zusätzliche Millionen Euro in die Kassen gespült. 273 Selbstanzeigen hatten seither das Finanzamt Trier auf Schwarzgeldkonten – auch in Luxemburg – aufmerksam gemacht. «Deutlich mehr» als sonst, so Jost Löns, Sprecher des Trierer Amts. Die Hälfte dieser Fälle hat das Trierer Finanzamt abgearbeitet, sieben Millionen Euro seien bereits nachgefordert worden und es wird mit weiteren Nachzahlungen von geschätzten 4,5 Millionen gerechnet.

sb/L'essentiel Online mit dpa

«Große kriminelle Energie» bei Steuersündern mit Luxemburger Konten

Die Luxemburger CD ist die dritte, die von deutschen Steuerbehörden angekauft worden ist. Im Vergleich zu den anderen CDs aus Liechtenstein und der Schweiz haben die Daten aus Luxemburg nach Ansicht der Fahnder eine «neue Qualität». Sie seien von der «großen kriminellen Energie» überrascht, mit denen Steuersünder offenbar versucht hätten, ihre Aktivitäten zu verschleiern. (dpa)

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