Ebola – Luxemburgerin «flirtet» mit dem Todes-Virus

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EbolaLuxemburgerin «flirtet» mit dem Todes-Virus

LUXEMBURG – Die Krankenschwester Geraldine Bégué ist seit zehn Tagen in Sierra Leone im Einsatz. «L'essentiel» schildert sie die dramatischen Zustände vor Ort.

Die junge aus Luxemburg stammende Krankenschwester ist derzeit mit Ärzte ohne Grenzen in Sierra Leone und bekämpft das Ebola-Virus.

Die junge aus Luxemburg stammende Krankenschwester ist derzeit mit Ärzte ohne Grenzen in Sierra Leone und bekämpft das Ebola-Virus.

In Luxemburg haben die Ferien begonnen, viele machen sich auf den Weg an die Strände Europas, um sich in der Sonne zu aalen. Nicht so Géraldine Bégué. Die junge Anästhesie-Krankenschwester aus Saeul ist mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf Mission in Sierra Leone. In einem kleinen von Ebola befallenen Dorf, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Freetown entfernt, bekämpft sie das Virus: «Es fehlt uns an allem und wir sind nur zwei Krankenschwestern, die sich um die von diesem verheerenden Fieber betroffenen Patienten zu kümmern. Letzte Woche waren es 33, jetzt sind es 55.»

Die Ausbreitung der Krankheit ist in der Tat dramatisch. Seit Januar, als in Guinea die ersten Fälle auftraten, starben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO fast 500 Menschen an dem Virus. Mit einer Mortalitätsrate von annähernd 90 Prozent scheint Ebola nicht zu stoppen. Übertragen wird es durch direkten Kontakt mit Blut und über die Atemwege.

Géraldine Bégué ist zwar jung, aber dennoch eine erfahrene Krankenschwester. Ihre jetzige Mission ist bei Weitem nicht ihre erste. Gemeinsam mit MSF war sie bereits in Haiti, Uganda und Guinea: «Ich war mental vorbereitet, aber ich hatte nicht erwartet, mit einer solch chaotischen Situation konfrontiert zu werden», berichtet sie am Telefon, ohne dabei traurig zu klingen. Sie leidet, aber beschwert sich nicht. In West-Afrika ist momentan Regenzeit. Kurze, aber heftige Regengüsse überschwemmen Straßen und erschweren den Zugang zu den Dörfern. «Der Wind macht uns mehr und mehr Sorge. Wir fürchten, dass er die Zelte, in denen wir die Patienten behandeln, einfach wegweht.»

Oberarzt starb am vergangenen Dienstag

Die luxemburgische Krankenschwester, die seit sechs Jahren in der Schweiz lebt, kennt die Risiken: «Wir sind von Kopf bis Fuß verhüllt. Kein Zentimeter Haut darf frei liegen. Es ist so warm, dass ich während eines anderthalbstündigen Einsatzes drei Liter Wasser verliere.» Arbeitsbedingungen, die mit denen in Europa nicht im Entferntesten vergleichbar sind. Kraftraubend und gleichzeitig immer wieder ernüchternd.

Am vergangenen Dienstag starb Dr. Omar Khan, leitender Oberarzt des Behandlungszentrums. «Ich kannte ihn und sein Tod berührt uns sehr», sagt Géraldine Bégué. «Wir sind alle traurig, aber wir müssen unseren Kampf gegen Ebola weiterführen.» Gleichzeitig ist die junge Frau in der gleichen Situation wie Dr. Kahn. In jedem Augenblick schaut sie dem Tod in die Augen. Doch trotz der Angst denkt sie nicht ans Aufgeben: «Wir flirten jeden Augenblick mit dem Tod. Wir haben aber kein Recht, die Menschen hier alleine zu lassen. Wenn wir gehen, wird sich niemand um sie kümmern. Wegen der fehlenden Mittel ist unser Kampf gegen das Virus eigentlich schon im Vorhinein verloren. Aber Sie können sich nicht vorstellen, wie schön es ist, wenn wir es schaffen, auch nur einen Menschen zu retten.»

(fb/pw/L'essentiel)

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