Neue Studie: Luxemburgs Atheisten fordern Ende der staatlichen Kirchenfinanzierung
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Neue StudieLuxemburgs Atheisten fordern Ende der staatlichen Kirchenfinanzierung

LUXEMBURG – Nur noch ein Viertel der Einwohner des Großherzogtums hält Religion für wichtig. Das geht aus einer Umfrage hervor, die von der Allianz der Atheisten und Agnostiker in Auftrag gegeben wurde.

Im Jahr 1970, als bei Volkszählungen noch nach der Religionszugehörigkeit der Einwohner gefragt wurde, gaben 96,9 Prozent der Menschen in Luxemburg an, katholisch zu sein. 1,2 Prozent waren protestantisch, 0,2 Prozent jüdisch und 1,7 Prozent gehörten einer anderen Religion an. Bei einer Studie aus dem Jahr 2008 sank der Anteil der Katholiken auf 68,7 Prozent. Bei dieser Umfrage konnten die Teilnehmer auch erstmals angeben, «keiner Religion» anzugehören, was auch rund ein Viertel tat.

Die Allianz der Luxemburger Atheisten und Agnostiker (AHA) hat nun bei Ilres eine neue Studie in Auftrag gegeben, um ein aktuelles Bild der Religionszugehörigkeiten im Großherzogtum zu erhalten. Das Ergebnis: Der Stellenwert der Religion wird kleiner. Weniger als die Hälfte der Teilnehmer bezeichnete sich als religiöse Person, obwohl sechs von zehn Einwohner des Landes (59 Prozent) einräumten, einer Religion anzugehören. Für ein Viertel der Einwohner ist Religion ein Begriff aus der Vergangenheit. Hinzu kommen zwei von zehn Einwohner, die sich nicht im Entferntesten vom religiösen Glauben angesprochen fühlen. Insgesamt gehören 41 Prozent keiner Religion an. Im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage ist es für den Katholizismus um 23 Prozent nach unten gegangen.

Immer weniger Kirchengänger

Zudem wird dem Ergebnis nach die Religion nur von einer Minderheit der Bevölkerung als wichtig für die luxemburgische Gesellschaft angesehen. Selbst von denjenigen, die sich als religiös bezeichnen, sind nur knapp über die Hälfte der Meinung, dass Religion gesellschaftlich relevant ist. Die Ausnahme bilden Zeremonien wie Beerdigungen oder Traditionen wie das Weihnachtsfest. Familie, Freunde, Freizeit und Arbeit sind hingegen Werte, die von 90 Prozent der Bevölkerung geteilt werden.

Die großherzogliche Familie besucht eine Messe.

Die großherzogliche Familie besucht eine Messe.

Die Konsequenz daraus ist, dass immer weniger Menschen in die Kirche, Synagoge oder die Moschee gehen. Fünf von sechs Religionsangehörigen gehen seltener als einmal pro Monat zum Gottesdienst. Sechs von zehn nehmen sich ab und zu ein wenig Zeit für den Kirchengang.

Diese Werte sind allen wichtig

Aber woran glauben die Menschen in Luxemburg, wenn die Religion so sehr in den Hintergrund gedrängt wird? Die meisten an eine höhere Kraft: Diejenigen, die einer Religion angehören, glauben zum Großteil an Gott, aber nicht an Himmel oder Hölle, sondern eher an die Sünde und ein Leben nach dem Tod. Vier von zehn Katholiken glauben an die Auferstehung Christi. An den Heiligen Geist oder die unbefleckte Empfängnis glauben weniger. Die überwiegende Mehrheit der Befragten, einschließlich der Katholiken, befürwortet Verhütungsmittel, das Recht auf Sterbehilfe, Abtreibung und die Ehe für alle.

Für die AHA sind die Ergebnisse der Umfrage eindeutig. Sie fordert daher, dass die öffentliche Finanzierung der katholischen Kirche enden muss. Die Allianz ermutigt außerdem alle Nicht-Praktizierenden dazu, aus der Kirche auszutreten und stellt heraus, dass die Zugehörigkeit zu einer Religion «weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung für die Entwicklung einer moralischen Orientierung ist». Werte wie Respekt vor anderen, Gleichheit vor dem Gesetz, Toleranz oder Solidarität halten dafür fast alle Befragten für wichtig – ob sie nun religiös sind oder nicht.

(jw/L'essentiel)

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