Mediziner warnt – Luxemburgs Krankenhäusern «droht der Kollaps»

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Mediziner warntLuxemburgs Krankenhäusern «droht der Kollaps»

LUXEMBURG – Ein Mediziner zeigt sich gegenüber «L'essentiel» besorgt: Entwickeln sich die Zahlen weiter unverändert, drohe in zwei bis drei Wochen die Überlastung der Kliniken.

Die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen ist zuletzt stark gestiegen.

Die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen ist zuletzt stark gestiegen.

CHL

Die Corona-Pandemie hat Luxemburg und den Rest Europas derzeit fest im Griff. In den Luxemburger Kliniken bereiten die aktuellen Entwicklungen im Großherzogtum Sorgen. Während die Gesundheitsbehörden versichern, dass die Kapazität der Krankenhäuser ausreichend sei, ist das Personal der Intensivstationen über den rasanten Zustrom an Patienten beunruhigt. Ein mit der Situation vertrauter Mediziner, der anonym bleiben möchte, sagte gegenüber L'essentiel: «Ich glaube, es gibt eine Diskrepanz zwischen der allgemeinen Wahrnehmung und dem, was wir vor Ort sehen. Es besteht das Risiko, dass wir in zwei bis drei Wochen überfordert sind.»

Nach den am Montag gemeldeten offiziellen Zahlen werden derzeit 179 Covid-Patienten in Luxemburg behandelt, davon 29 auf der Intensivstation. Zu dieser Zahl kommen noch die Verdachtsfälle hinzu. Bliebe es bei der bisherigen Rate der Neuinfektionen von rund 700 bestätigten Fällen und dabei die Zahl der Menschen, die eine intensivmedizinische Betreuung brauchen, ebenfalls unverändert, so würden täglich sieben neue Intensivpatienten dazukommen. Nach Ansicht unserer Quelle seien die Krankenhäuser des Landes nicht in der Lage, einen solchen Ansturm zu bewältigen.

«Wenn wir das Virus stoppen wollen, ist der Lockdown der wirksamste Weg.»

Der Mediziner befürchtet, dass es doppelt so viele Patienten wie im Frühjahr zu versorgen gäbe und das unter erschwerten Bedingungen. Er erinnert daran, dass man im Frühjahr die gesamte Behandlung auf Corona-Patienten fokussiert habe. Der normale Betrieb in der Medizin sei zugunsten der Corona-Kapazitäten fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Man müsse jetzt allerdings garantieren, dass Covid-Patienten und die übrigen Patienten gleichermaßen die bestmögliche Versorgung erhielten. Eine besondere Herausforderung angesichts der zunehmenden Zahl von Pflegekräften, die sich selbst in Quarantäne befinden oder sogar bereits infiziert sind.

Doch wie kann diese Herausforderung für alle zufriedenstellend bewältigt werden? Nach Ansicht des befragten Arztes könne Luxemburg es sich nicht leisten, auf neue Maßnahmen zu verzichten: «Wenn wir das Virus stoppen wollen, ist der Lockdown der wirksamste Weg.» Das Gesundheitsministerium weist unterdessen daraufhin, dass für die Krankenhäuser bereits die dritte Phase des Pandemieplanes in Kraft getreten sei. Dies führt dazu, dass bestimmte medizinische Aktivitäten in den Kliniken reduziert werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die nötigen Ressourcen in der Pflege zur Verfügung stünden, heißt es aus dem Ministerium weiter. Man analysiere täglich die Situation und könne den Plan kontinuierlich an die Situation vor Ort anpassen, sagte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber L'essentiel.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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