Aktivismus: Luxemburgs Museen bereiten sich auf Protestaktionen vor

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AktivismusLuxemburgs Museen bereiten sich auf Protestaktionen vor

LUXEMBURG – Während Museen in ganz Europa das Ziel von Aktivisten werden, scheint es in Luxemburg relativ ruhig zu sein. Dennoch ist das Sicherheitspersonal besonders wachsam.

von
Nicolas Chauty
Bislang ist es in Luxemburger Museen noch zu keinen Ausschreitungen der Klimaaktivisten gekommen.

Bislang ist es in Luxemburger Museen noch zu keinen Ausschreitungen der Klimaaktivisten gekommen.

Editpress

Seit mehreren Wochen geht es turbulent in Europas Museen zu. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes werfen Aktivisten Nahrungsmittel auf ausgestellte Kunstwerke. Der französische Kulturminister nimmt diese neue Bedrohung sehr ernst und fordert das Museumspersonal in einer Mail auf, die Wachsamkeit zu erhöhen. Im Großherzogtum sei man nicht übertrieben ängstlich, wie das «International Council of Museums» erklärte. Dennoch seien dessen Mitglieder in ständigem Austausch bezüglich der aktuellen Entwicklungen.

Im Moment gäbe es keine speziellen Maßnahmen oder verbindlichen Anweisungen zu dem Thema, wie das luxemburgische Kulturministerium erklärt. Zusätzlich zu den bisherigen Vorkehrungen zur Verhinderung gewollter oder ungewollter Beschädigungen seien keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen. «Wir machen unser Personal auf das aufmerksam, was im Ausland passiert. Aber es ist schwierig, sich gegen böswillige und geplante Aktionen zu wappnen», sagt Patrick Michaely, Direktor des Nationalmuseums für Naturgeschichte.

Spezialglas gegen Flüssigkeiten

«Wir haben dieselben Sicherheitsstandards wie in den großen Museen im Ausland. Sonst könnten wir keine Leihgaben etwa des Rijksmuseums Amsterdam, des Tate London oder anderer, renommierter Institutionen ausstellen. In der Villa Vauban sind alle Ausstellungsstücke durch ein Laser-Alarmsystem gesichert», erklärt Guy Thewes, der Direktor der beiden Museen in Luxemburg-Stadt. «Nähern Sie sich einem Gemälde auf weniger als 20 Zentimeter, geht der Alarm los». Besonders hochwertige Gemälde, die als Leihgabe ausgestellt sind, wie das neulich bei der Ausstellung über John Constable der Fall war, durch Spezialglas vor Flüssigkeiten geschützt».

In der Villa Vauban macht außerdem Wachpersonal die Runde und Taschen müssen an der Garderobe abgegeben werden. «Im MNHN sind Flaschen und alle anderen Lebensmittel verboten, Rucksäcke werden am Eingang gewissenhaft kontrolliert», fügt Patrick Michaely hinzu. In dessen Museum gibt es gerade, was recht ironisch wirkt, eine Ausstellung zum Einfluss des Menschen auf die Biodiversität und das Klima. Die Ausstellung wirbt für «friedliches und verantwortliches Engagement» und hat mehrere Bewegungen, darunter Youth for Friday, einbezogen.

Bisher waren die Ziele der Aktionen in Europa die Mona Lisa, die Wachsfigur Charles III., das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge usw. Paris über Den Haag oder Potsdam waren betroffen. «Ich teile die Befürchtungen der Jugendlichen», sagt Patrick Michaely, «aber ich verurteile jeden Akt der Zerstörung, der sich gegen das kulturelle Erbe egal in welcher Form richtet». Guy Thewes wiederum hält es für eher unwahrscheinlich, dass derartige Aktionen in Luxemburg stattfänden. «Eine Aktion in einem luxemburgischen Museum verliefe wahrscheinlich unbemerkt und hätte nicht den gewünschten, medialen Effekt».

Bisher jedenfalls, so das luxemburgische Kulturministerium, sei noch kein Angriff oder Zwischenfall gemeldet worden. Auf die Frage, ob die luxemburgischen Museen gefährdete Kunstwerke ausstellen, erklärt das Ministerium: «Verschiedene unserer Museen beherbergen, zeitweise oder dauerhaft, in ihren Sammlungen wertvolle Werke, zum Teil von weltbekannten Künstlern. Eine Klassifizierung, was den Wert betrifft, ist schwierig.»

Guy Thewes vermutet, dass eine Protestaktion in Luxemburg nicht die gewünschte mediale Reichweite erzielen würde.

Guy Thewes vermutet, dass eine Protestaktion in Luxemburg nicht die gewünschte mediale Reichweite erzielen würde.

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