Interview mit Serge Meyer – Luxemburgs zweite Welle scheint milder als die erste

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Interview mit Serge MeyerLuxemburgs zweite Welle scheint milder als die erste

ESCH/ALZETTE – Dr. Serge Meyer, Leiter des Covid-Krisenstabs im Centre Hospitalier Emile Mayrisch, analysiert die Pandemie.

Dr. Serge Meyer (links) und sein Team.

Dr. Serge Meyer (links) und sein Team.

L'essentiel: Wie vielen Fällen haben Sie im CHEM bereits behandelt?

Serge Meyer: Wir hatten zwei Wellen. In der ersten von März bis Ende Juni gab es 180 Einweisungen mit Atemwegssyndromen, die auch zu Todesfällen geführt haben. Seit Ende Juli greift die zweite Welle mit vielen kleinen Symptomen und nur sehr wenigen Einweisungen. Dies wirft die Frage auf, ob sich die Aggressivität des Virus verändert hat.

Ist das Virus saisonabhängig?

Die Entwicklung des Virus in heißen Ländern lässt diesbezüglich Zweifel aufkommen. Hier werden wir bei trübem Wetter bald wissen, ob sich seine Wirkung wieder verstärkt.

Verändert sich die Pflege?

Als wir Bergamo und Mühlhausen sahen, sagten wir uns: Wir müssen uns auf etwas sehr Ernstes vorbereiten. Dieses Niveau haben wir noch nicht erreicht. Wir waren bei den Beatmungen sehr vorsichtig. Am Anfang haben wir Hydrochloroquin verwendet, das meiner Meinung nach durchaus gewirkt hat. Das Medikament Remdesivir traf diesen Sommer erst spät in Europa ein. Wir setzen aber auch neue Beatmungstechniken ein.

Haben sich unsere Gewohnheiten verändert?

Die Bevölkerung ist vorsichtiger. Die Abstandsregelungen haben sich im Laufe der Zeit immer mehr verfeinert. Jetzt hatten wir bei gleichem Patientenaufkommen keinen Lockdown mehr.

Sind die ergriffenen Maßnahmen übertrieben?

Hinterher ist man immer klüger. Wir wissen jetzt, dass es sich weniger um einen Killer handelt, als wir zunächst befürchtet hatten. Die derzeitigen Maßnahmen sind akzeptabel und gerechtfertigt. Dieses Virus ist ein ernstes Gesundheitsproblem. Wir können nicht riskieren, von einer weiteren Welle überrollt zu werden.

Es gibt ein gewisses Misstrauen gegenüber Impfstoffen.

Mit ihnen wurden auch die Verschwörungstheorien zu den Impfstoffen geboren. Mit dem Covid-19-Virus wird es noch schwieriger, weil wir etwas Unerprobtes haben. Aber wir sind in einem freien Land, wir diskutieren. Der Grippeimpfstoff wird zum Beispiel sehr nützlich sein, um vom Coronavirus unterscheiden zu können.

Sollten wir uns vor dem Virus fürchten?

Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Es gab 125 Todesfälle (Anmerkung der Redaktion: 126 seit gestern) mit einem sehr hohen Medianalter. Wir sollten die überhöhte Sterblichkeit unter die Lupe nehmen, weil das Virus den Tod kranker Menschen verursacht hat, aber es hätte auch etwas anderes sein können.

(Nicolas Martin/L'essentiel)

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