LYCEE TECHNIQUE DU CENTRE – Lyzeum ist empört über Ausweisung von Schülern
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LYCEE TECHNIQUE DU CENTRELyzeum ist empört über Ausweisung von Schülern

LUXEMBURG – Acht Familien aus Albanien und Montenegro sollen aus Luxemburg abgeschoben werden - die Vorgehensweise der Behörden ruft Kritik hervor.

Das LTC war am Mittwoch Schauplatz einer Polizeiaktion.

Das LTC war am Mittwoch Schauplatz einer Polizeiaktion.

Editpress

Die Jungs und Mädchen zeigten gute Leistungen in der Schule, waren bestens in Luxemburg integriert. Trotzdem müssen vier Schüler und Schülerinnen des Lycée Technique du Centre (LTC) aus Montenegro und Albanien jetzt in ihre Heimat zurückkehren. Die Polizei holte die Jugendlichen am Mittwoch zuhause oder vor der Schule ab, um sie gemeinsam mit ihren Familien in ihre Heimat auszuweisen, wie der Quotidien berichtete. Eine weitere Jugendliche versteckte sich erfolgreich – sie ist mittlerweile untergetaucht. Am LTC herrscht Empörung über die Vorgehensweise der Behörden.

«Die Schülerinnen gingen seit vier, fünf Jahren hier in die Schule und werden nun aus ihrer Ausbildung herausgerissen. Schüler, Lehrer, Direktion - wir alle sind sehr schockiert über die Vorkommnisse», berichtet Netty Maas, stellvertretende Direktorin am LTC. Es sei untragbar, dass die Polizei die Schule praktisch als Handlanger missbrauche. «Wir sollten dabei helfen, die Schülerinnen den Behörden zu übergeben. Das hat die Schulleitung klar abgelehnt. Die Schule sollte nämlich ein Zufluchtsort sein, wo man sich sicher fühlt», so Maas, die auch ein Protestschreiben an das Bildungsministerium verfasst hat.

Asselborn: «Verantwortung bei Eltern»

Insgesamt sollen acht Familien, darunter 18 Minderjährige, per Charterflug nach Albanien und Montenegro abgeschoben werden. Die Mutter des untergetauchten Mädchens erhielt eine Ausnahmeregelung und darf jetzt noch für eine bestimmte Zeit im Land bleiben. Der für die Einwanderungsbehörde zuständige Außenminister Jean Asselborn äußert gegenüber L'essentiel Verständnis für die Proteste unter Schüler und Lehrern.

Gleichzeitig pocht er auf die Einhaltung der Zuwanderungsgesetze. «Die Asylanträge der betroffenen Familien wurden rechtswirksam abgelehnt. Die Väter und Mütter wussten bereits seit Monaten darüber Bescheid. Trotzdem sind sie hiergeblieben», sagt der LSAP-Politiker. «Man muss auch einmal die Eltern in die Verantwortung nehmen.» An der Vorgehensweise der Polizei sieht er nichts Verwerfliches: Keiner der Beamten habe das Schulgebäude betreten.

Lernklima verschlechtert

«Wenn wir Asylbewerber aus Albanien oder Montenegro aufnehmen, die beide EU-Beitrittskandidaten sind, haben wir bald keinen Platz mehr für jene, die es wirklich brauchen, etwa aus Syrien oder Afrika», resümiert Asselborn.

Dass Schülerinnen ohne Aufenthaltserlaubnis abgeschoben werden, dürfte im Großherzogtum jedenfalls gängige Praxis sein. «Das Lernklima in der Schule hat sich seit dem Vorfall merklich verschlechtert», sagt Netty Maas. Viele Schüler seien wegen der Ausweisung ihrer Freunde am Mittwoch in Tränen ausgebrochen. «Viele ausländische Schüler fürchten nun, dass ihnen dasselbe Schicksal blüht und sie vor die Tür gesetzt werden.»

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

Das sagt die ASTI

Für die ASTI (Verein zur Unterstützung der Arbeitsmigranten) ist diese Situation nichts anderes als ein Rückschritt der Behörden. «Seit etwa fünf Jahren gab es eine stillschweigende Übereinkunft mit der Einwanderungsbehörde. Kein Lyzeumsschüler sollte während des Schuljahrs ausgewiesen werden. Ich weiß nicht, warum die Behörde diese Vereinbarung gebrochen hat», sagt Laura Zuccoli, Präsidentin der ASTI. «Das ist ein traumatisierender Augenblick, auch für die anderen Kinder. Viele brechen zu Hause in Tränen aus. Sie verstehen nicht, warum ihre Schulkollegin ausgewiesen wird. Seit gestern haben sich die Anrufe von Eltern bei uns vervielfacht.» (Thomas Holzer)

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