Jean Asselborn – «Machen Sie sich keine Sorgen über Luxemburg»

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Jean Asselborn«Machen Sie sich keine Sorgen über Luxemburg»

LUXEMBURG – Mauern und Stacheldraht an den EU-Außengrenzen? Außenminister Jean Asselborn sieht die europäische Idee in Gefahr.

EU-Mitgliedsstaat Slowenien will an den Außengrenzen Militär einsetzen.

EU-Mitgliedsstaat Slowenien will an den Außengrenzen Militär einsetzen.

DPA/Igor Kupljenik

«Das kann nicht das Bild Europas sein!» Das sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (LSAP) in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am Mittwochmorgen. Dabei ging es um die Frage, wie sinnvoll Zäune an den EU-Außengrenzen sind, um den Flüchtlingsstrom zu dirigieren oder abzuhalten. «Mauern, Stacheldrähte, Militär an den Grenzen – das kann nicht das Europa der Zukunft sein», sagte Asselborn dazu. «Europa kann sich damit doch nicht selber herabstufen.»

Der Politiker aus dem Großherzogtum fürchtet, dass die Saat von Rechtsextreminsten und Faschisten durch die derzeitige politische Lage auf fruchtbaren Boden fallen könnte. «Es wird mit der Angst der Menschen gespielt. Aber wir können die Uhren nicht 100 Jahre zurückdrehen. Das dürfen wir dem 21. Jahrhundert nicht antun», sagte der Politiker. Europa sei für andere Zwecke geschaffen worden.

«Wir brauchen ein Umdenken»

Erneut forderte Asselborn eine europäische Lösung der Flüchtlingsproblematik. «Wir schaffen es derzeit nicht, diesen Massenandrang von Menschen, die auf der Flucht sind, national zu bewältigen», sagte er. «Wir brauchen ein Umdenken.» Eine Lösung könnten große Auffangzentren sein, die europäische gemanagt werden. «Wenn wir damit nicht anfangen, wird das System zusammenklappen», sagte Asselborn.

Die Mitgliedsstaaten haben sich darauf geeinigt, 160.000 Flüchtlinge innerhalb der Union umzuverteilen. Bisher sind aber erst 19 Menschen «relokalisiert» worden. «Macht sich die EU damit nicht unglaubwürdig», fragt Deutschlandfunk-Moderator Dirk-Oliver Heckmann Jean Asselborn? «So einfach ist es nicht», antwortet der. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex sei derzeit noch unterbesetzt, das würde sich bald ändern. «Ich habe gute Hoffnung, dass wir es bis Ende der Woche schaffen werden, weitere Menschen zu relokalisieren», sagte der Luxemburger Politiker. Da sei auch das Großherzogtum mit an Bord: «Über Luxemburg müssen sie sich keine Sorgen machen. Wir schaffen das.»

(Tobias Senzig/L'essentiel)

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