Nosferatu-Spinne: Macht sich der «Vampir auf acht Beinen» auch in Luxemburg breit?

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Nosferatu-SpinneMacht sich der «Vampir auf acht Beinen» auch in Luxemburg breit?

LUXEMBURG – Die Nosferatu-Spinne zieht es nach Mitteleuropa. Ins Großherzogtum scheint sie nach aktueller Datenlage noch nicht gefunden zu haben, früher oder später dürften aber auch hier Exemplare anzutreffen sein, wie zwei Experten erklären.

von
Miriam Meinecke
HANDOUT - 30.08.2022, Stuttgart: Das undatierte Handout zeigt eine Nosferatu-Spinne auf einem Holzblock. Die aus dem Mittelmeergebiet stammende Nosferatu-Spinne hat sich inzwischen fast deutschlandweit ausgebreitet. (Zu dpa: «Nabu: Nosferatu-Spinne fast in ganz Deutschland verbreitet») Foto: Robert Pfeifle/Nabu/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Die aus dem Mittelmeergebiet stammende Nosferatu-Spinne hat sich inzwischen fast deutschlandweit ausgebreitet.

Robert Pfeifle/Nabu/dpa

Deutschland hat gerade einen kleinen, achtbeinigen Medien-Star: Die Nosferatu-Spinne. Wer schon mal eine gesehen hat, weiß, dass das Tier gar nicht mal so klein ist. «Sie können einen Durchmesser von zwei und eine Spannweite von sechs Zentimetern haben», erklärt Lieke Mevis der ASBL «natur&ëmwelt». In Luxemburg macht sich das für unsere Breiten recht imposante Tier bisher allerdings rar: Offiziell gab es erst eine per Bild bestätigte Sichtung – und die ist auch schon zwei Jahre her. «Ob es sich um eine mitgereiste Spinne handelte oder sie zu einer festen Population gehört, kann man nur mit mehr Daten sagen», erklärt Mevis.

«Generell ist die Nosferatu-Spinne auf dem Vormarsch», bestätigt Alexander Weigand vom Naturhistorischen Museum. Zwar könne es sein, dass Populationen in Luxemburg bisher einfach unbemerkt blieben, möglich sei aber auch, dass es bisher keinen unkomplizierten natürlichen Ausbreitungsweg für das Tier hierher gebe, wie er aktuell das Rheintal entlang zu beobachten ist. «Das heißt nicht, dass das nicht irgendwann auch passieren kann», meint er. So könnte die Spinnenart beispielsweise vom Rheintal die Mosel aufwärts wandern. Im nahegelegenen Saarland sind kürzlich mehrere Exemplare gesichtet worden, wie die «Saarbrücker Zeitung» berichtet. Der Naturschutzbund Nabu hatte zuvor zu einer speziellen Meldeaktion aufgerufen.

In der Nähe zu Luxemburg konzentrieren sich die Sichtungen auf das Rheintal.

In der Nähe zu Luxemburg konzentrieren sich die Sichtungen auf das Rheintal.

Screenshot inaturalist.lu

Dass die Spinne überhaupt so weit in den Norden wandert, liegt an der globalen Erwärmung, wie Lieke Mevis erklärt. «Dadurch ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch hier ankommt», sagt sie. Eigentlich kommt das Tier nämlich aus dem Mittelmeerraum. Wenn die Spinne bisher gesichtet wurde, war das meistens in Häusern. Das kann laut Mevis und Weigand einerseits daran liegen, dass sie sich dort wegen der Temperatur und dem Schutz des Hauses besonders wohlfühlt – oder eben daran, dass sich die beobachtenden Personen selbst hauptsächlich dort aufhalten.

«Sie hat zwar einen gefährlichen Namen, aber das ist sie nicht», kann Lieke Mevis beruhigen, ihr Gift sei für den Menschen – von einer Allergie abgesehen – ebenso ungefährlich. Außerdem beiße die Spinne nur, wenn man sie provoziere. Anfühlen soll sich das wie ein leichter Wespenstich. Es kann eine Schwellung auftreten, ein paar Stunden schmerzen, jucken und geschwollen sein.

Sichtungen werden in Datenbank gesammelt

Auf das Ökosystem kann die Spinne größere Auswirkungen haben, doch zum jetzigen Zeitpunkt sei das noch schwer zu sagen. «Es gibt Arten, wie bei der Asiatischen Hornisse, die die ursprünglichen verdrängen», sagt sie, «andere machen gar nichts aus». Das Problem dabei: «Man bemerkt es meistens erst, wenn es zu spät ist», so Mevis. Selbst wenn sich bei der Nosferatu-Spinne Entsprechendes herausstellen würde, könne man dagegen wenig tun, denn im Gegensatz zur genannten Hornisse, ist die Spinne keine soziale Art, deren Nester man zerstören könne. «Außerdem gibt es kein Gift, das nur eine bestimmte Spinne tötet. Da würde man dem Ökosystem mehr schaden, als man ihm nützt». Letztlich sei es der Lauf des Klimawandels: «Einige Arten werden auswandern oder aussterben, andere werden einwandern.»

Wer in Luxemburg vielleicht doch das zweite oder dritte Exemplar sichtet, kann bei der Ermittlung der Verbreitung helfen und das bei der Plattform inaturlist.lu melden. Das ist die Datenbank, mit der auch das Naturhistorische Museum und «natur&ëmwelt» arbeiten. Und wer eine Spinne entdeckt hat und sie nicht in der Wohnung haben will, kann sie einfach mit einem Glas und Papier draußen wieder aussetzen, erklärt Alexander Weigand – sofern man keine Spinnenphobie hat.

Die Nosferatu-Spinne

Die Nosferatu-Spinne, Zoropsis spinimana, kann zwar sogenannte Fangwolle weben, fängt ihre Beute aber nicht in einem Netz. Stattdessen lauert sie auf vorbeikommende Beutetiere, schnappt sie sich und beißt zu.

Die Zeichnung auf ihrem Vorderkörper erinnert an einen Vampir, daher ihr Name. «Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens», ist ein Stummfilm von 1922 über den gleichnamigen Vampir.

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