Pressefreiheit am Limit – Magazin zeigt Mohammed-Karikaturen
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Pressefreiheit am LimitMagazin zeigt Mohammed-Karikaturen

Die französische Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» zeigt auf dem heutigen Titelblatt einen Mann mit Turban im Rollstuhl, der von einem Juden geschoben wird. Dazu eine provokante Sprechblase.

Die französische Satire-Zeitung «Charlie Hebdo» gießt mit einer am Mittwoch veröffentlichten Mohammed-Karikatur weiter Öl ins Feuer militanter Islamisten. Auf der Titelseite der neuesten Ausgabe ist ein gebrechlicher Mann mit Turban in einem Rollstuhl zu sehen, der von einem Mann jüdischen Aussehens geschoben wird. «Man darf sich nicht lustig machen», wird den beiden Figuren in einer Sprechblase in den Mund gelegt. Darüber prangt der Titel «Intouchables 2» («Die Unantastbaren 2» in Anlehnung an den Film «Ziemlich beste Freunde»). Die Titelseite war am Vorabend auf der Webseite des Blattes zu sehen.

Wenige Stunden vor der Veröffentlichung traf die französische Polizei nach eigenen Angaben Sicherheitsvorkehrungen vor dem Redaktionsgebäude von «Charlie Hebdo» in Paris. Im November 2011 war es zu massiven Protesten gekommen, nachdem das Wochenblatt eine Sonderausgabe dem islamischen Recht, der Scharia, gewidmet hatte und diese «Charia Hebdo» genannt hatte. Darin war der Prophet Mohammed als außerordentlicher Chefredakteur «eingeladen» gewesen. Demonstranten hatten damals das Gebäude in Brand gesetzt.

Proteste werden immer brutaler

Radikale Islamisten nutzen die Wut über den Mohammed-Schmähfilm immer stärker aus. In Afghanistan hat eine Selbstmordattentäterin aus Rache für den Film zwölf Menschen mit in den Tod gerissen. Die Terrorgruppe Al-Kaida und die Taliban riefen zu mehr Gewalt auf. In der afghanischen Hauptstadt Kabul rammte die Attentäterin ihren mit Sprengstoff vollgepackten Wagen in einen Minibus voller ausländischer Flughafen-Arbeiter. Unter den Opfern waren acht Südafrikaner.

Ein Sprecher der extremistischen Gruppe Hesb-e-Islami Gulbuddin übernahm in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AP die Verantwortung für den Anschlag. Eine 22 Jahre alte Frau namens Fatima habe das Sprengstofffahrzeug gefahren. «Der Anti-Islam-Film hat unsere religiösen Gefühle verletzt, wir können das nicht tolerieren», sagte der Sprecher.

Die Al-Kaida im Islamischen Maghreb rief wegen des Films zu Anschlägen auf amerikanische Diplomaten auf und begrüsste in einer Stellungnahme den Tod des US-Botschafters in Libyen, Christopher Stevens. Die Gruppe drohte mit Anschlägen in Algerien, Tunesien, Marokko und Mauretanien. Zudem forderte sie alle Muslime auf, US-Diplomaten zu töten oder auszuweisen, «um unser Land aus Rache für die Kränkung der Ehre des Propheten vom Schmutz zu reinigen». Die Taliban drohten ebenfalls mit Attacken auf die internationale Schutztruppe ISAF als Vergeltung für das Video.

(L'essentiel Online/sda)

Obama: Macher der Films ist ein «dubioser Typ»

Der Macher des Schmähfilms gerät unterdessen immer stärker unter Druck. US-Präsident Barack Obama bezeichnete ihn am Dienstagabend bei einem Fernsehauftritt als «dubiosen Typ». Die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft erließ Haftbefehle gegen den mutmaßlichen Regisseur Nakoula Basseley Nakoula, den US-Prediger Terry Jones und sechs ägyptische Kopten. Den Angeklagten werde vorgeworfen, der nationalen Einheit geschadet, den Islam beleidigt und öffentlich angegriffen sowie falsche Informationen verbreitet zu haben, hieß es in einer Mitteilung. Ihnen drohe die Todesstrafe.

Saudi-Arabien ließ derweil den Zugang zu allen Webseiten sperren, auf denen das Video zu sehen ist. Google hatte den Zugang zu dem Film nach der Gewalt in Libyen und Ägypten bereits in diesen beiden Ländern sowie in Indonesien und Indien gesperrt. Auch Russland erwägt wegen des Schmähfilms, den Zugang zu blockieren.

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