Wulff dagegen – Mailbox-Nachricht bleibt unter Verschluss

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Wulff dagegenMailbox-Nachricht bleibt unter Verschluss

Die «Bild»-Zeitung wollte den Anruf von Bundespräsident Wulff bei ihrem Chefredakteur Diekmann veröffentlichen. Doch Wulff steht dem entgegen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat bis jetzt ihr Schweigen zu Wulffs Kreditaffäre nicht gebrochen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat bis jetzt ihr Schweigen zu Wulffs Kreditaffäre nicht gebrochen.

DPA

Bundespräsident Christian Wulff ist dagegen, dass die Nachricht, die auf der Mailbox von «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann hinterließ, im Wortlaut veröffentlicht wird. Wulff begründete dies mit seiner späteren persönlichen Entschuldigung bei Diekmann: «Sie haben diese Entschuldigung dankenswerterweise angenommen. Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben», hieß es in einem vom Bundespräsidialamt veröffentlichten Schreiben an Diekmann.

Nach dem Fernseh-Interview von Bundespräsident Christian Wulff zu seiner Kredit- und Medienaffäre hatte sich der Konflikt zwischen dem Staatsoberhaupt und der «Bild»-Zeitung zu. zugespitzt. Die Zeitung widersprach der Aussage Wulffs, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner umstrittenen Hausfinanzierung nur verschieben, aber nicht verhindern wollen. Die «Bild» ging am Donnerstag mit dem Plan in die Offensive, die umstrittenen Mailbox-Äußerungen zu veröffentlichen.

Chefredakteur Diekmann schrieb deshalb an Wulff: «Wir möchten dies nicht ohne Ihre Zustimmung tun und bitten Sie deshalb im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz um Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung.»

Merkel schweigt

Knapp 11,5 Millionen Zuschauer hatten am Mittwochabend das mit Spannung erwartetet Interview von Wulff in ARD und ZDF gesehen. Die Aussagen Wulffs lösten bei Koalition und Opposition ein unterschiedliches Echo aus. In der schwarz-gelben Koalition wurde der Fernsehauftritt positiv aufgenommen. Die Opposition sieht nun Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Zug.

Merkel schwieg jedoch zum Fall Wulff bei ihrem ersten öffentlichen Termin nach der Weihnachtspause. Auch nach einem Empfang für die Sternsinger am Donnerstag in Berlin wurde keine Stellungnahme der Kanzlerin erwartet.

Diekmann bezeichnet Wulffs Anruf als «große Dummheit»

Unterdessen veröffentlichten Wulffs Anwälte eine «zusammenfassende Stellungnahme» zu den mehreren hundert Medienanfragen in der Kreditaffäre. Sie ergänzten eine «rechtliche Bewertung», wonach kein Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz vorliege. Nach Darstellung der Anwälte standen weder der umstrittene Privatkredit noch die diversen Urlaubsreisen mit den Amtspflichten Wulffs als Ministerpräsident von Niedersachsen in Zusammenhang. Auch für steuerrechtliche Verstöße gebe es keine Anhaltspunkte.

Mit Blick auf Wulffs Darstellung zum Ziel seines Anrufes bei der «Bild»-Zeitung schrieb Diekmann an das Staatsoberhaupt: «Mit Verwunderung haben wir gestern Ihre Aussage im Fernsehen zur Kenntnis genommen, bei Ihrem Anruf auf meiner Mail-Box sei es nicht darum gegangen, Berichterstattung zu ihrem Hauskredit zu verhindern, sondern diese lediglich um einen Tag zu verschieben.» Der stellvertretende «Bild»-Chefredakteur Nikolaus Blome bezeichnete im Deutschlandfunk die Mailbox-Nachricht als «große Dummheit» und erklärte: «Und es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden.»

(L'essentiel online/dpa)

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