Ode gegen Rechts – Mainzer Theater übertönt AfD-Demo mit Beethoven

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Ode gegen RechtsMainzer Theater übertönt AfD-Demo mit Beethoven

MAINZ - Bei einer AfD-Kundgebung «Gegen das Asylchaos» vor dem Staatstheater in Mainz hat das Ensemble lauthals Beethovens «Ode an die Freude» geschmettert.

Ermittlungen wegen Beethovens «Ode an die Freude»: Weil Ensemble-Mitglieder des Staatstheaters Mainz mit diesem Lied eine Kundgebung der Partei AfD störten, sehen sie sich jetzt mit einer Strafanzeige des Polizeipräsidiums Mainz konfrontiert.

120 Mitarbeiter des Theaters hatten am vergangenen Samstag im Foyer des Gebäudes Beethovens das klassische Stück gesungen, während die «Alternative für Deutschland» draußen eine Kundgebung unter dem Motto «Gegen das Asylchaos» abhielt. Der Gesang war so laut, dass die AfD ihre Reden unterbrechen musste.

Auch die AfD klagt

«Wer eine genehmigte Versammlung grob stört, macht sich strafbar», sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. Nach der Polizei hat auch die rheinland-pfälzische AfD das Mainzer Staatstheater wegen Störung einer Kundgebung der Partei angezeigt.

Das Theater ist verwundert: «Wir waren nicht aggressiv, wir haben Beethoven gesungen», sagte eine Sprecherin. Zudem habe das Theater nach einer Aufforderung der Polizei die Fenster zum Platz vor dem Theater geschlossen. Dort hatten sich am Samstag etwa 300 AfD-Anhänger versammelt.

Die Theaterintendanz will nun abwarten, was kommt. Sollte es eine Geldstrafe geben, werde schon jetzt dafür gesammelt, sagte die Sprecherin. «Wir erleben eine sehr große Resonanz.» Mit Beethovens «Ode an die Freude» habe das Theater eine Antwort auf fremdenfeindliche Parolen gegeben und werde sich auch künftig auf ähnliche Weise zu Wort melden.

Schließlich befasse sich das Theater gemeinsam mit dem Publikum in seiner Arbeit mit Themen wie Migration und Mitmenschlichkeit. «Es ist direkt vor unserer Haustür gewesen», sagte die Sprecherin. «Da nichts zu sagen, wäre armselig gewesen.»

«Hochsympathische Aktion»

Ein Sprecher der AfD Rheinland-Pfalz warf den Gegendemonstranten «eine massive Bereitschaft» vor, «gegen Recht und Gesetz zu verstoßen». Mehr als 100 Personen seien daran gehindert worden, zu der Versammlung gelangen, sagte der Parteisprecher. Ob die AfD dagegen juristisch vorgehe, werde noch geprüft.

Der Mainzer Jura-Professor Friedhelm Hufen sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich finde die Aktion mit der Ode an die Freude hochsympathisch, aber in der rechtlichen Bewertung liegt bei einer massiven Störung eine Verletzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit vor.»

(jm/dpa/L'essentiel)

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