«Cyberbunker»-Prozess – Manager will nichts von Kinderpornos gewusst haben

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«Cyberbunker»-ProzessManager will nichts von Kinderpornos gewusst haben

Der« Cyberbunker», der Marktplätze im «Darknet» beherbergt haben soll, war im September 2019 von Polizisten gestürmt worden. In Trier läuft aktuell der Prozess.

Am Landgericht Trier wird zurzeit der Prozess gegen acht Tatverdächtige um ein illegales Rechenzentrum geführt.

Am Landgericht Trier wird zurzeit der Prozess gegen acht Tatverdächtige um ein illegales Rechenzentrum geführt.

DPA/Harald Tittel

Der für Beschwerden zuständige Manager des Cyberbunkers in Traben-Trarbach an der Mosel will von Hinweisen auf Kinderpornografie oder Drogenhandel mit Hilfe der Server des Rechenzentrums nie etwas mitbekommen haben. «Es gab niemals Beschwerden in diese Richtung», sagte der 51 Jahre alte Niederländer am Montag vor dem Landgericht Trier. «Ich habe nie etwas gehört über Kinderpornografie, Drogenhandel oder andere Verbrechen.» Der Cyberbunker, der nach Ansicht der Ermittler wichtige Marktplätze des kriminellen «Darknet» beherbergte, war im September 2019 von Polizisten gestürmt worden.

Bei den Beschwerden sei es vor allem um Botnets gegangen – also um Schadprogramme, die ohne Wissen des Eigentümers einer Webseite auf dieser laufen – sowie um das Abgreifen von persönlichen Daten (Phishing) und um Urheberrechtsverletzungen. Während seiner Verantwortung für den Bereich Abuse (Missbrauch) seit Juli 2016 habe er immer wieder darauf gedrungen, dass gegen Phishing vorgegangen werde. Bei Beschwerden über Urheberrechtsverletzungen habe man standardisierte Mails an die Kunden des Rechenzentrums geschickt. Darauf habe es nie Antworten gegeben: «Wir betrachteten das damit als erledigt.»

Alles außer Kinderpornos und Terrorismusmaterial

Der niederländische Hauptangeklagte X. (60) habe vor allem darauf geachtet, dass die Firma Cyberbunker niemals in Verbindung mit dessen anderen Firmen Calibur und Systems gebracht werden dürfe. Nach Außen benutzten alle Mitarbeiter des Bunkers Fantasienamen. Die Cyberbunker-Webseite – auf der geworben wurde, man könne dort alles außer Kinderpornos und Terrorismusmaterial auf Webseiten anbieten – habe er nie genau angesehen, sagte der 51-Jährige. Er habe das Rechenzentrum für seriös gehalten: «Ich habe nie gedacht, dass wir dazu da waren, die bösen Jungs zu bedienen.» Er sei «bis heute überzeugt, dass auch X. nicht wusste, was da alles abging».

Auf Vorhaltung des Gerichts, es habe im Juli 2018 einen Hinweis auf Kinderpornografie und Ermittlungen der schwedischen Polizei gegeben, sagte der Manager, er könne sich in diesem Zusammenhang nur erinnern, dass sein Chef X. höchstpersönlich eine Festplatte vernichtet habe.

(L'essentiel/dpa)

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